Der digitale Videorekorder, oder: HTPC unter Vista
Ich habe viele Softwareprodukte auf unterschiedlichen Platformen für den Einsatz als HTPC in meinen Räumlichkeiten getestet. Bedingungen war für mich eine einfache Bedienung, Installation und Einrichtung des Systems. Während meiner Suche stieß ich unter anderem auf folgende Software:
- SnapStream Beyond TV,
- MythTV,
- Sage TV und
- Microsoft XP Media Center Edition, Vista Home Premium, Vista Ultimate.
All diese Pakete haben in meinen Augen Vor- und Nachteile. Beyond TV und Sage TV benötigen eine vorhandene Betriebssystem Plattform (Beyond TV = Windows, Sage TV = Windows, Linux und MacOS X).
Beyond TV und Sage TV wurden in den Jahren immer weiter ausgebaut. Ein großer Vorteil beider Produkte ist die Möglichkeit des Streamens des Live-TV an andere Rechner (nach Erwerb der Client-Software). Dies ist bei den Microsoft Produkten leider nur mittels eines sogenannten Extenders möglich (z.B. XBOX, XBOX360 oder alternative Hardware).
Weiterer Nachteil von Beyond TV und Sage TV ist, dass Programmlisten (EPG) extern eingepflegt werden müssen, da für die in Deutschland sich befindenen TV-Anbieter keine ab Werk vorhanden sind. Diese Listen müssen zB. über TV-Movie oder tvtv in ein bestimmtes XML-Format gebracht werden. Erst danach (oder mit Hilfe der Direkt-Anbindung an tvtv) können die Listen zu den jeweiligen Kanälen hinzugefügt werden.
Die Bedienung von beiden Programmen ist recht einfach – wenn auch an einigen Stellen unübersichtlich.
Wer möchte, kann sich bei beiden Anbietern eine Testversion herunterladen und dies ausgiebig nutzen.
Solltet ihr aber z.B. Windows Vista Home Premium oder Ultimate euer Eigen nennen, empfehle ich die Nutzung des mitgelieferten Media Center. Seit Windows XP Media Center Edition nutze ich es fast durchgehend (am Anfang des Jahres Umstieg auf Vista). Zugegeben, perfekt ist es nicht. Aber es bietet alle grundlegenden Funktionen in einer einheitlichen Oberfläche, ist einfach einzurichten und zu bedienen. Seit Vista funktioniert auch endlich tadelos der Standby. Das System geht nach einer bestimmten inaktiven Zeit (kein Bedienen oder Fernsehen) in den hybriden Standby-Modus und weckt sich auch selbstständig mit Hilfe der Fernbedienung oder wenn eine Aufnahme ansteht. Sofern das ganze nicht auch als Spiele-Rechner herhalten soll, halten sich die Hardware-Anforderungen auch in Grenzen. Meine Hardware-Konfiguration sieht wie folgt aus:
- Athlon64 3500+,
- 1024MB RAM,
- Geforce 6600 passiv gekühlt,
- mind. 2 Festplatten (40-80 GB für die Systeminstallation, die andere so groß wie möglich für die Aufzeichnungen, Musik usw.),
- Hauppauge PVR-500MCE (Dual-Tuner TV Karte analog – ich weiß nicht, ob neue Revisionen davon noch betroffen sind, meine jedenfalls hat Probleme mit Dual-Core CPUs) und
- Creative Inspire GD580 5.1 Lautsprecher (werden aber bald ersetzt),
- DVD-Brenner,
- MCE-Fernbedienung,
- SilverstoneTek LC10 Gehäuse,
- restlicher Krams (Lüfter usw.).
Das Ganze sieht dann zB. so aus (in 1 Monat sieht es definitiv ganz anders aus, wenn ich umgezogen bin)
Die Einrichtung des Media Centers ist recht einfach. Ein Assistent führt einem durch die Konfiguration und hilft somit bei der Wahl des Anzeigegerätes (hier ein Samsung 32″ TFT 16:9), der Audioausgabe (zB. Stereo oder 5.1, 6.1, 7.1 Lautsprechersystem). Es werden die TV-Tuner gesucht und versucht die gefundenen Sender automatisch (mittels Teletext) den Listen zuzuordnen. Dies klappt nicht immer einwandfrei, da dies von Qualität des Signals abhängig ist. Außerdem schaffen es die Sender immer mehr in ihrer Senderkennung zusätzliche Informationen unterzubringen (zB. welche Sendung läuft gerade), sodass das Media Center da so seine Probleme hat. Dies kann aber nachträglich per Hand zugeordnet werden. Sollte jemand DVB-S einsetzen ist das sicherlich weitaus schwieriger, aber es gibt Tools und Hilfe bei der MCE-Community.
Sofern der Einrichtungsvorgang abgeschlossen ist kann sofort losgelegt werden. Die Listen sind bereits heruntergeladen (Breitbandverbindung vorausgesetzt – es gibt auch die Möglichkeit diese mittels Modem herunterzuladen) und das EPG sähe zB. so aus. Das EPG ist leider nicht das Beste – aber zumindest findet man dort die wichtigsten Informationen und zu 98% stimmen auch die Programmdaten und Zeiten der Sendungen. Hier wünschte ich mir mehr Qualität, von mir aus auch gegen einen kleinen monatlichen Obulus, oder die Möglichkeit auf einfachem Wege (ohne die XML Listen die an TV-Movie und Co angeschlossen sind) die Daten ins Media Center zu bekommen.
Das Media Center selbst kann sowohl Musik wiedergeben (Medienbibliothek vom MediaPlayer wird eingebunden), DVDs und Audio-CDs abspielen, Programme und Spiele starten (es ist ja ein herkömmliches Windows Vista) sowie eingebettet in der Online Gallerie sind Video on Demand Anbieter, Shops oder Programme zu finden.
Das Media Center ist zugegebener maßen ziemlich verspielt in einigen Dingen – zB. Transparenz- und Animationseffekte beim Wechsel durch die Menüs.
Aber es hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: den WAF – den weiblichen Akzeptanz-Faktor. Und der sollte bei jeder Entscheidung mehr Technik ins Haus zu bringen bedacht werden
Hey, guter Beitrag. Schön das du dein Setup und deine Erfahrungen mal zusammengefasst hast. Bitte bei neuen Erkenntnissen zu tollen Features und Problemen immer aktualisieren
Anregungen sind immer willkommen Marcus
Mal sehen, was sich so in nächster Zeit alles bewerkstelligen lässt.