Damit die Kommunikation mit den Behörden bürgernäher und schneller von statten geht (wer es glaubt), werkeln große Unternehmen an der sogenannten De-Mail. Eine eigenständige Mailadresse inklusive Zertifikat, mit der dann mit Behörden zertifiziert kommuniziert werden kann.

Interessant ist, wer so alles daran “interessiert” ist, uns “sichere” Kommunikationswege zu verpassen.

Die Deutsche Bahn, Deutsche Telekom und Deutsche Post entwicklen derzeit zusammen mit Microsoft …

Das bedeutet:

  • es wird zukunftssicher, wie ePost,
  • die Daten werden vertrauenswürdig, wie bei der Deutschen Telekom üblich und in den letzten Monaten, Wochen und Tagen mehr als deutlich erkennbar sicher, behandelt,
  • die Kommunikation verläuft schnell, zuverlässig und pünktlich, wie bei der Deutschen Bahn und
  • die Datenformate sind frei und universell, wie wir es von Microsoft gewohnt sind und kennen.

Braucht man so etwas? Also ich nicht. Ich habe für meine Mailadressen jeweils ein Zertifikat und möchte eigentlich nicht noch eine aufgebrummt bekommen – vor allem eine, die nach derzeitigen Gedankenverwurstungen so umständlich und lang ist.

Sollte mir das zu Denken geben, dass nahezu alle gierigen Datenkraken, die in der Vergangenheit schon durch diverse Skandale und Mini-Skandale aufgefallen sind, auf einem Haufen sich nun tummeln und gemeinsam am großen und absolut sicheren Datenaustausch für den Bürger arbeiten? Es fehlt eigentlich nur noch eine nahtlose Integration mit Google – dann habe ich 1000%iges Vertrauen in die entstehende Projektleiche.

Wieso das Ganze zum Scheitern verurteilt ist und ergo unserer aller Steuergelder vor unserern Augen unwiderruflich symbolisch vernichtend verbrannt und weggeworfen wird? Folgender Ablauf soll dies mal verdeutlichen …

(überarbeitet vom respektiven Heise-Forum Beitrag)

  • Die Entscheider (ob Manager / CEOs / COOs oder Politiker) sind keine EDV-Projektleiter, sondern Theoretiker, die ihr Managementwissen aus BWL-Büchern haben.
  • Sie denken sich was aus und lassen es von irgendeiner Consultingfirma als Studie formulieren, welche beweist, dass das Projekt für X Euro in Y Jahren machbar ist.
  • Nach der Studie denken sie: Das kann doch nicht X Euro kosten und Y Jahre dauern! Das können wir besser! Wofür haben wir Managementbücher gelesen, die “Macht der Triade” studiert, die Kriegsregeln der Chinesen studiert oder uns mit Feng Shui beschäftigt.
  • Dann halbieren sie jeweils X und Y und erklären das zum “ambitionierten” Projektziel.
  • Darauf folgt eine Ausschreibung mit diesen Vorgaben.
  • Wer dann sagt, dass das für X/2 Euro in Y/2 Jahren nicht geht, fliegt aus dem Bieterfeld raus.
  • Dann starten sie das Projekt mit dem Bieter, der die besten Powerpoint-Folien präsentiert und die meisten Business-Buzzwords benutzt und außerdem versichert hat, dass er das Projekt zu den angegebenen Bedingungen auf jeden Fall “in time and in budget according to specification” abschließen wird – wie alle Projekte, die man bisher bereits erfolgreichst zur höchsten Zufriedenheit der Kunden durchgezogen hat.
  • Während des Projektes wird klar, dass die interne Vorbereitung mies war, die Fachabteilung nicht richtig einbezogen wurde und die Vorstudie nicht zur realen Aufgabenstellung passt bzw. nur 30% abdeckt.
  • Die Anforderungen werden während der Projektlaufzeit erhöht – teils mit dem Argument “Das ist doch klar, dass wir das brauchen!” dem Auftraggeber aufgedrückt, teils als “Change Request” eingebracht, wenn der Auftragnehmer die neuen Anforderungen sonst ums Verrecken nicht akzeptieren will.
  • Wenn Y/2 Jahre erreicht ist und X/2 Euro verbraten sind, aber erst 40% der ursprünglichen und 25% der erweiterten Anforderungen erfüllt sind, kommen die ersten Krisenzeichen.
  • Projektbeteiligte, die ständig auf die Probleme hingewiesen haben, werden zu Schuldigen erklärt, gemaßregelt oder gefeuert.
  • Es werden weitere Externe zur “Verstärkung und Beschleunigung” hinzugenommen.
  • Wenn Y Jahre erreicht ist und 1,5X Euro verbraten sind, muss der Manager beim Topmanager antanzen.
  • Danach wird Beraterfirma C beauftragt, die Lage zu analysieren.
  • Diese stellt schwere Mängel fest, gibt die Schuld allen möglichen Beteiligten (Programmierer, Auftragnehmer, Fachabteilung etc.) außer den Auftraggebern (Manager) und schlägt vor, das Projekt funktional abzuspecken, sowie an einigen Stellen eigene (Beraterfirma) Leute zu platzieren, die den anderen “auf die Finger” sehen.
  • Nach 2Y Jahren und 3X Euro Kosten werden 60% der Funktionspunkte erreicht. Die Software wird nun offiziell live gestellt, tatsächlich aber nur mit Workarounds oder gar nicht nutzbar bzw. genutzt.
  • Nach 2,5Y Jahren und 4X Euro Kosten sind 65% erreich, die Software nutzbar und wird zu einem grandiosen Erfolg erklärt.
  • Die internen Mitarbeiter haben massig Überstunden geleistet und schon lange keinen Urlaub mehr gemacht. Sie sind ausgebrannt und kaputt.
  • Das Management trifft sich und überlegt, wie die ineffiziente Bande der Angestellten, die sich auf Kosten des Unternehmens durchschmarotzt, mehr motiviert werden kann und wie man künftig solche Fiaskos vermeidet.
  • Beschlossen werden einige oder alle der folgenden Maßnahmen:
    • Entlassung eines Teils der Mitarbeiter, um Kosten zu sparen,
    • Streichung des Weihnachtsgeldes und Beförderungsstop auf den untersten zwei Ebenenen,
    • Herabsetzung der Beraterstundensätze um 10%,
    • Vorgaben, dass beim nächtsten Projekt gleich zu Beginn noch ambitionierter geplant werden muss, d.h. es müssen Y/3 Jahre und X/3 Euro Kosten angesetzt werden, da man ja nun weiß, dass der Planungsrahmen um 150% überschritten werden wird und
    • Erhöhung der Gehälter des oberen Managements und der Vertriebsleiter um 50%.

Schöne Welt, oder?