Die Intel Atom Prozessoren sind für kleine Rechner oder Fileserver eine interessante Sache. Noch interessanter wird es, wenn man darauf nicht nur den üblichen Kram installieren kann, sondern Mac OS X 10.5 Leopard.

Als Proof-of-Concept habe ich mir ein Board inklusive Atom 330 Prozessor besorgt – im Speziellen das Intel D945GCLF2. Der Atom-Prozessor werkelt mit 2 Kernen. Jeder Kern besitzt Hyperthreading, wodurch insgesamt virtuell 4 Prozessoren existieren. Man gönnt dem Teil etwas RAM (1-2 GB) und eine Festplatte. Ebenso sollte zumindest für die Installation ein DVD-Laufwerk zur Verfügung stehen – entweder SATA oder USB, denn das ist an der Stelle egal.

Insgesamt kommt, je nach Geschmack des Gehäuses, der Festplattenwahl, RAM, inklusive der Leopard Lizenz ca. 250-300 € Straßenpreis zusammen. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, dass es möglich wäre, auf diese Plattform Mac OS X 10.5 zum Laufen zu bringen. Nach dem Proof-of-Concept ist die eigentliche Leopard Lizenz auf das MacBook Pro, was noch unter 10.4 lief, gewandert. Dafür war sie letztendlich gedacht und dafür wird sie auch genutzt.

Als Basis für meine Testinstallation sind die Informationen und Tools hier von Nöten. Die Anleitung für die Installation ist sehr schwammig und zum Teil durch mich bereinigt – so wie es hier auch in meiner Teststellung funktionierte. Was wird zudem benötigt?

  • Driver Package 2.5 für Intel D945GCLF2 (siehe Link hier im ersten Beitrag),
  • das Leopard 10.5.6 Combo Standalon Update,
  • eine originale Mac OS X 10.5 Retail DVD,
  • ca. 2-4 Stunden Zeit für den kompletten Vorgang.

Der Inhalt des Driver Package 2.5 sollte auf einen USB-Stick entpackt werden, da dieser mehrfach benötigt wird. Darin enthalten ist ebenso ein Ordner “Boot 132″, welcher eine ISO-Datei beinhaltet. Diese ISO-Datei ist mittels eines fähigen Brennprogrammes auf eine CD-R zu bannen. Diese beinhaltet für die Installation und Einrichtung ein vorübergehendes Hilfs-Boot-Medium und wird für die Installation mehrfach benötigt. Nach Fertigstellung selbstverständlich nicht mehr.

Vorbereitung Mainboard

Das BIOS des D945GCLF2 sollte auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Hierzu einfach auf der Webseite von Intel nachsehen, am Besten das ISO-Abbild herunterladen, brennen und installieren. Wichtig ist danach, dass vor der Installation (egal ob BIOS geupdated wurde oder nicht) die Default-Einstellungen im BIOS geladen und gespeichert werden müssen. Ohne dem wird das Ganze zu 99% fehl schlagen.

Boot #1

  1. Hilfs-Boot-CD einlegen und starten.
  2. Wenn Eingabeaufforderung erscheint, dann die Leopard-DVD einlegen, etwas warten, bis das Laufwerk die DVD geladen hat und dann Enter drücken (Start von DVD). Gegebenenfalls mittels F8 die Bootoptionen ändern (detaillierte Ausgaben).

Leopard Installation

  1. Sprache auswählen …
  2. Festplatten-Dienstprogramm starten
  3. Die angedachte Boot/System-Festplatte neu partitionieren als GUID.
  4. Ist dies erfolgt, dann das Festplatten-Dienstprogramm beenden ..
  5. Die Installation weiter fortführen …
  6. Optional kann an- bzw. abgewählt werden, was für Komponenten mit/nicht installiert werden sollen …
  7. Nach Installation den Rechner neu starten …

Leopard Installation von Hilfs-Boot-CD starten

  1. Die Leopard-DVD herausnehmen und die Hilfs-Boot-CD einlegen und von CD starten …
  2. Wenn die Eingabeaufforderung erscheint, dann ESC-Taste drücken und bei der Frage den Wer 80 bzw. 81 eingeben (je nachdem, wohin installiert wurde) – Standard, wenn nur eine Platte zu diesem Zeitpunkt angeschlossen ist, ist 80. Dann Enter drücken.
  3. Danach sollte als Auswahl Mac OS X 10.5 aufgelistet werden – hier einfach Enter

Ersteinrichtung und Update

  1. Es muss der obligatorische erste Benutzer eingerichtet werden. Einfach dem Assistenten folgen und konfigurieren.
  2. Obigen USB-Stick anstöpseln und das Combo Update auf 10.5.6 ausführen.
  3. Danach einen Neustart durchführen – diesmal wieder die Hilfs-Boot-CD nutzen.

Treiber-Installation

  1. Vom USB-Stick das OSX86-Tool starten
  2. “Custom Kext” installieren – beim Dialog auf den Stick die GMA* Kext Dateien auswählen
  3. Danach nicht neu starten, sondern im OSX86-Tool die Option”Repair Permissions” und “Clear Extension Cache” auswählen und ausführen
  4. Neustart mittels Hilfs-Boot-CD
  5. Dieses Mal die System- und Audio-Kext installieren
  6. siehe Schritt 3
  7. Neustart mittels Hilfs-Boot-CD

Abschluss

  1. DSDT Patcher GUI vom Stick starten, Darwin auswählen und laufen lassen (Run DSDT Patcher)
  2. Den Chameleon-1.0.12.pkg Bootloader installieren
  3. Sicherstellen, dass die Leopard-Installation bootfähig ist
    1. sudo fdisk -e /dev/rdisk0
    2. p (Partitionierung ansehen)
    3. f 1 (aktiviert die erste Partition – nur Ändern, wenn anders installiert)
    4. w (schreibt die Änderungen auf die Festplatte)
    5. y (wenn die Meldung erscheint, dass ein Neustart von Nöten ist)
    6. q (fdisk beenden)
  4. Dieses Mal keine weitere CD einlegen, sondern das System einfach neu starten – jetzt sollte alles gehen.

Sollte während der Installation mal der Rechner lange beim Neustart stehen bleiben (einige Minuten lang der Lade-Kreis), dann einfach Reset drücken bzw. ausschalten und dann nach Liste weiter fortfahren.

Diese Anleitung bedarf einer legalen Retail-Leopard DVD – ohne Modifikation oder sonstigen Krams. Für diesen Test habe ich eine (die letzte) freie Leopard Lizenz genutzt, die nun auf dem eigentlichen Mac läuft. 

Es war mir damit ebenso möglich nachfolgende Updates ohne Probleme zu installieren. Man sollte aber vor dem nächsten großen Update (10.5.7) aufpassen, denn es kann passieren, dass es danach nicht mehr geht.

Zumindest bei diesem Stand funktionierte das Herunterfahren, Standby, Screensharing usw. tadellos. Ebenso ist es erstaunlich flott unterwegs, kann aber definitiv nicht einem Mac mini das Wasser reichen. Videos spielt es ohne Probleme ab, aber bei HD-Videos merkt man die fehlende Power des Atom. Hier hat der Mac mini bei Weitem die Nase vorn und ein Einsatz dieses Boardes ist für TV-Ergüsse in hoher Qualität (zB. als Media Center) in meinen Augen nicht zu gebrauchen. Als reine Arbeitsstation, zum Mailen, surfen, Foto-Verwaltung usw. aber auf jeden Fall denkbar. Mitunter auch als Datei- und Druckserver ist es eine gelungene Alternative, vor allem dann, wenn man Nativ das Apple Filing Protokoll bevorzugt, welches bei FreeNAS & Co. doch etwas langsam im Vergleich zu SMB ist. Netatalk ist halt leider ein Nachbau des Protokolls. Dennoch war das Ganze eine mehr als interessante Erfahrung für mich.

Das Atom-Board selbst läuft nun mittels FreeNAS und verrichtet seinen Dienst.