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Freiheit durch Überwachung

Mir persönlich ist beim Lesen des Artikels auf welt.de fast die Kinnlade heruntergefallen. Frau Zypries äußerte sich zu vielen Dingen – und das auch noch nahezu grundsätzlich mit falschen Fakten, Aussagen, Informationen und Gutglauben. Entweder lebt sie in einer anderen Realität, in einem anderen Universum oder was weiß ich … aber beginnen wir mal hermeneutisch und analytisch ganz von vorn. (Vorsicht! Es wird etwas länger …)

WELT ONLINE: Ihr Unrechtsbewusstsein ist also intakt. Bei einem Teil der Internetgemeinde ist das nicht so: Gesetze, die in der realen Welt selbstverständlich eingehalten werden, verlieren in der digitalen Welt an Bindekraft. Warum ist das so?

Zypries: Schon in meiner Jugend war das Mitschneiden von Musik aus dem Radio üblich, damals auf Tonbändern oder Kassetten. Es gibt also eine gewisse Tradition zu glauben: Man darf das. Ähnlich ist es beim Kopieren von Büchern. Es ist weder der Industrie noch der Politik gänzlich geglückt, die Botschaft zu vermitteln: Man darf das eben nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es nicht nur für sich privat kopiert. Dazu kommt die entscheidende Innovation des Internets: Man bewegt sich anonym, es gibt keine soziale Kontrolle. Wer im Laden ein Buch klaut, muss eine höhere Hemmschwelle überwinden als jemand, der illegal etwas herunterlädt.

Sie vergleicht hier an dieser Stelle Äpfel mit Birnen. Das Mitschneiden von Musik aus dem Radio ist meiner Meinung nach legal und hat nichts dergleichen mit dem Download von Musik aus dem Internet zu tun. Der große Teil der Leute, die das Kopieren, tun dies auch für die private Nutzung. Im Umkehrschluss heißt das, dass man das also doch Dinge aus dem Internet herunterladen darf, wenn es privat kopiert genutzt wird? Weiter lesen …

Ausweitung von Zensur

Kaum sind die Gesetzespamphlete fast in trockenen Tüchern, werden die Forderungen wirklich lauter nach Ausweitung eben jener Sperren inklusive einzuführender Gesetzesänderungen auf zum Beispiel “Hasspropaganda”. Nun mag man dazu stehen, wie man will. Ich persönlich halte absolut nichts von Hass-Propaganda und es muss selbstverständlich dagegen vorgegangen werden, denn es ist nun einmal ein Straftatbestand gemäß §130 StGB (wenn ich mich nicht irre) und der gilt in der realen, wie auch in der “virtuellen” Welt. Und wer baut bitte schön in der realen Welt einen Sichtschutz auf? Na? Ich glaube eher, da wird ermittelt, Leute angezeigt und in Gewahrsam genommen nebst höchst amtlichen Richterspruch bei Korrektheit des Vorfalles.

Ich an der Stelle kann nur betonen: Ich hatte es gesagt, dass es so kommen wird! Und ich werde es weiterhin sagen, auch wenn ich mir den Mund fusslig reden sollte … Ich warte auf den Tag, wo wir uns selbst die Teleschirme aufhängen!

SPD-Politikerin fordert EU-weite Web-Sperren

Ich glaub es hackt, oder was? Wo sind die Sperren in anderen Ländern erfolgreich? Gerade jetzt hat sich gezeigt, dass die Polizeien angewiesen auf die “Verfügbarkeit” der KiPo-belasteten Server sind, um der Strafverfolgung nachzugehen. Das zeigt sich gerade in Italien, die unter anderem auch einen Server in Deutschland dicht gemacht haben!

Ihr habt doch Angst, liebe Politiker, dass euch euer Gesetz um die Ohren gehauen wird und deswegen ruft ihr den großen Bruder an? Im Sinne von “Fresse halten, sonst hol isch große Bruder!”?

Aus dem Grund freue ich mich über Hr. Tauss Austritt aus der SPD seit wenigen Minuten nach fast 40 Jahren politischer Mitarbeit. Ich heiße die SPD willkommen zur 5% Hürde.

Nicht mal Gesetz und schon gehts los

Gefunden via unkreativ, fordert Hr. Strobl, seines Zeichen Schwiegersöhnchen von Mr. Schäuble, erneut die Ausweitung der Netzsperren auf Killerspiele. Die warten nicht einmal mehr, bis ihre Gesetze rechtskräftig werden – wenn man überhaupt von Rechtskräftigkeit in diesem Falle sprechen kann. Auch die Versprechungen, dass es nur bei KiPo bleiben wird, weil es nur ein Gesetz gegen KiPo sein soll, ist völlig für den Anus.

Widerlich!

Zensur, Überwachung, Verbote und Wahlen

Vielen Dank, für Ihre Offenheit Hr. Wiefelspütz, denn zeigt es sich erst recht, dass Kritiker bezüglich der KiPo-Sperren von einführender Zensur reden. Danke vielmals dafür, denn Ihre Aussage macht in der Blogosphäre (hier, hier und hier), wie auch in einigen Medienkreisen, bereits die Runde.

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat sich dafür ausgesprochen, die im Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie vorgesehene Sperrung von Internetseiten auch auf andere kriminelle Seiten auszuweiten. “Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, sagte Wiefelspütz der “Berliner Zeitung” (Samstagsausgabe). “Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.” Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker.

Interessant auch, dass das Ganze trotz “Erschrockenheit und Nervosität” der anderen Politiker nicht dementiert wird:

Bei der Union stießen die Äußerungen von Wiefelspütz auf Widerstand. “Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät“, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der “Berliner Zeitung”.

Auch das Verbot von “Killerspielen” steht wieder zur Diskussion und diesmal wollen alle Länder mitmachen. Hier geht es um Herstellungs- und Verbreitungsverbot. Sprich es darf nicht produziert noch gar verkauft oder verliehen oder anderweitig weitergegeben werden. Und was ist unter “Killerspiele” zu verstehen?

In einem heise online vorliegenden Beschluss fordern die Innenpolitiker ein schnellstmögliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Video- und Computerspiele, “bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen” ausmacht. Eingeschlossen sein sollen Games mit “anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen”.

Darunter würde meiner Meinung nach unter anderem fallen:

  • Age of Empires Serie (Kriege gegen andere Zivilitionen)
  • Heroes of Might & Magic (Kampf gegen Untote, Elfen, Orks, Zwerge usw)
  • Civilization Serie
  • Command & Conquer Serie und Derivate
  • Starcraft (gegen Aliens)
  • Diablo 1-3
  • Fallout 1-3
  • Warcraft Serie (ja, auch World of Warcraft zählt gemäß Definition dazu, liebe Leute)
  • Das Schwarze Auge
  • jegliche Art von Rollenspiel
  • Mass Effect
  • und viele mehr

wenn es nach deren Definition geht – und meist k0mmt es immer schlimmer als man ahnt!

Ich kann Jedem nur empfehlen bei der morgigen Wahl sein Kreuzchen intelligent zu setzen. SPD und CDU, wie auch die FDP (Fr. Dr. Koch-Mehrin) sind meiner Meinung keine Lösung und unwählbar – ebenso verhält es sich mit DVU und NPD-Derivaten – und die EU-Wahl selbst kann mitunter ein Zeichen für die bevorstehende Bundestagswahl setzen. Ich schwanke noch zwischen drei Möglichkeiten – eine sehr wahrscheinliche davon ist die Piratenpartei.

Denkt mal darüber nach, was uns in den letzten Jahren und heute, sowie Bevorstehendes auf uns zukam und zukommt. Überwachung hier, mehr Verbote da, Eingriffe in Persönlichkeitsrechte, Fast-Abschaffen von Datenschutz der Bürger (nicht der Unternehmen). Der Staat will alles kontrollieren und wissen und das, liebe Leute, darf in einer Demokratie mit !noch! vorhandenen Grundrechten nicht sein.

Deswegen geht wählen, auch wenn ihr denkt, eure Stimme nutzt nichts. Das sagen derzeit 32% der Wähler (die nicht wählen wollen). Bei 50 Millionen Wählern sind 32% immerhin 16 Millionen Menschen. Wenn diese alle NICHT die “Bürgerparteien”, wie SPD, CDU & Co wählen würden – was wäre dann das Ergebnis, na? Also: jeder Wahlschein – jede Stimme ist wichtig!

Lügen und feuchte Träume

Ich hatte nun diese Woche Zeit, mich aus England schmalbrüstigem Internet heraus weitgehendst zu informieren. Was die letzten Tage an geistiger Diarrhöe in Umlauf gebracht wurde, grenzt schon an der Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Andere würden Verfassungsfeinde dazu sagen.

Erst heute bin ich auf diesen Artikel gestoßen, wo doch tatsächlich auf einmal eine Echtzeitüberwachung der Zugriffe auf die Stoppschild-Seite gefordert wird. Dabei wurde bis vor wenigen Tagen definitiv das vollkommen ausgeschlossen.

Ein “aufgrund der Umleitung zur Stoppseite erfolgloser Versuch, eine Internetseite mit kinderpornographischem Material aufzurufen, erfüllt die Voraussetzungen dieses Straftatbestands und begründet daher den für strafrechtliche Ermittlungen notwendigen Anfangsverdacht”. [...] Geriete man etwa versehentlich oder durch böswillige Hinweise provoziert zu einem Stoppschild, würde dann de facto eine Hausdurchsuchung oder Schlimmeres drohen. Auch dies bestätigte Staudigl: “Ob und gegebenenfalls wer sich strafbar gemacht hat, wird regelmäßig erst durch die sich daran anschließenden strafrechtlichen Ermittlungen geklärt werden können.”

Na? Geblickt? Ihr surft auf eine Seite, klickt auf einen Link und dummerweise ist die dahinterliegende Seite zB. KiPo (oder später eine Lotto-Seite oder politische Organisation, Bürgerrechtler usw.), bekommt die Stop-Seite zu sehen und habt ein Verfahren an der Backe!

Das kann euch nicht passieren? Wirklich nicht?

  1. Tippt ihr die URL eures Ziels ab und zu mal per Hand ein? Habt ihr euch noch nie vertippt? Habt ihr schon einmal mitbekommen, dass bewusst einige Anbieter Domains registrieren, die wie zB google.de inkl Tippfehler aussehen? Und zufälligerweise ist diese Seite auf der Stop-Liste … und ihr habt Ärger!
     
  2. Surft ihr mit den Standard-Einstellungen des Firefox? Der hat eine nette Funktion, die sich Network Prefetch oder Link Prefetching nennt. Allein die Googlesuche oder eine andere Seite mit Links reicht aus, dass die ersten Links aus der Ergebnisliste oder der Seite durch den Firefox im Hintergrund im Voraus geladen werden, ohne dass ihr einen Finger krumm gemacht habt. Dummerweise war darunter eine Seite, die geblockt ist und ihr seit nun dem BKA bekannt!
     
  3. Popups werden durch seriöse Seiten eingeblendet und es werden Bilder oder Werbung präsentiert, die mitunter nicht kontrolliert werden. Diese könnten auf der Liste ebenso stehen – und ihr habt ein Problem!
     
  4. Ihr sucht etwas Bestimmtes in einer Suchmaschine und glaubt das Ergebnis in einem der Links gefunden zu haben und klickt darauf. Die Seite ist auf der Liste und ihr bekommt Besuch! 
     
  5. Schon einmal eine tiny.url angeklickt?

Realisiert ein Teil überhaupt, was hier in Deutschland gerade passiert? Oder ist es denen egal, weil sie entweder nur Einzelpersonen sind oder “nichts zu befürchten haben”? Hier geht es nicht um KiPo .. hier geht es um weitaus mehr. Die Begehrlichkeiten wurden bereits geweckt. Am Anfang war es “nur” KiPo. Nun ist es, wie es vorauszusehen war schon angedacht, Glücksspielseiten, Gewaltdarstellungen (darunter fiele auf Berichterstattungen von Krisengebieten), und Seiten, die der Content-Mafia nicht gefallen zu blocken. Mit welchen Mitteln hier gegen die Kritiker gearbeitet wird ist weitaus tiefer, als die Gürtellinie erlaubt:

Als “Unfug” bezeichnete Müller-Piepenkötter den Vorwurf einer Internetzensur: “Eine Freiheit Kinderpornografie zu verbreiten und zu konsumieren gibt es nicht.” Ähnlich sei das Problem im Bereich Urheberrechtsverletzungen. “Es kommt hier zu einer Enttabuisierung, weil es Gleichgesinnte gibt”, sagte die Ministerin.

Ich danke Ihnen, Frau Müller-Piepenkötter, für diese Beleidigung unterster Schublade. Auch wenn der geneigte Leser meint, dass Vergleiche mit der NS-Zeit hinken, so sollten wir alle aus dem Übel dieser Zeit doch gelernt haben. Wir sollten die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Zum Beispiel führten die Nazis 1939 den Straftatbestand “Rundfunkverbrechen” ein. Am Anfang wurden die Senderskalen an den Radiogeräten an bestimmten Stellen geschwärzt, was dann dazu führte, dass man als Hörer und interessierter Mensch nach den Sendern (zB. Radio Vatican, BBC, Radio Moscow) gesucht hatte und trotz Schwärzung diese fanden, denn die Sender strahlten ja ihre Sendungen weiterhin aus. Ebenso verhält es sich mit dieser Stop-Seite. Die Seiten existieren weiterhin, weil die Strafverfolgungsbehörden anscheinend nicht gewillt sind, diese vom Netz nehmen zu lassen. Stattdessen wird geschwärzt.

Gegen die Hörer der “Feindsender” wurde dann der Straftatbestand “Rundfunkverbrechen” eingeführt, der es den Deutschen bei Todesstrafe verbot, diese zu hören. Die Todesurteile wurden auch vollstreckt. Nun kann man noch zum Glück sagen, dass wir keine Todesstrafe haben, aber ein “Internetverbrecher” kann allein schon durch einen Verdacht wirtschaftlich durch Beschlagnahmung seiner Arbeitsgrundlagen, Rechner, Aufzeichnungen usw. derart ruiniert werden, dass es einer Todesstrafe nahe kommt. Schon allein, dass Nachbarn und Angehörige davon Kenntnis haben ist völlig ausreichend und den neugewonnenen “Leumund” wird man nicht mehr los, auch wenn man unschuldig ist.

Heute gibt es keine Feindsender mehr, aber illegale Webseiten. Was illegale Webseiten sind, weiß keiner, da die Kenntnis darüber geheim ist. Das Abschalten unliebsamer Seiten ist meist einfacher, als ein Telefonat zu führen und die Frage, die ich schon so oft gestellt habe, ist, wieso nicht angerufen oder gemailt wird? Die Antwort kann nur lauten, dass dann die Begründung obsolet wäre, das eigentliche Ziel durchsetzen zu können –  Kontrolle und Überwachung.

Geschichtlich ist bewiesen, dass nur Despoten und Diktatoren so große Angst vor ihren Untertanen haben/hatten, dass sie eine, die jeweils technische Grenzen ausschöpfende Totalüberwachung anordneten. Darunter fiel zB. der KGB, die GeStaPo oder die Stasi. Bisher nicht bewiesen, aber auf Grund der Geschehnisse zu vermuten, ist, dass die Arroganz der Macht grundsätzlich darauf hinausläuft, den Souverän – das Volk – langsam zu Untertanen zu erklären, was immer mit Totalüberwachung verbunden war und immer sein wird.

Bewiesen ist aber auch, dass mit dem Totschlagargument Kriminalität (in welcher Form auch immer – je schlimmer, um so besser) die Einrichtung von Überwachungsbehörden bei den Überwachten auf wenig Widerstand führt. Die Argumente sind immer die gleichen: “Es ist für eure Sicherheit” und “Nur Kriminelle (damals Volksverräter, heute zB Pädophile) sind dagegen”.

Offene Unterdrückung führt zu Widerstand. Implizierte Unterdrückung , die meist von paranoiden und größenwahnsinnigen Menschen selbst ausgeht, hat kaum einen Widerstand und eine weitreichendere Tragweite. Wenn ich jemanden mit einer Waffe bedrohe und seine Geldbörse fordere, dann wird er mich verabscheuen. Wenn ich aber so lange auf die Gefahr von Räubern hinweise, die einen wegen der Brieftasche umbringen könnten, dann werden die Menschen zu mir kommen und ihre Geldbörse freiwillig abgeben, weil es ja ohne “erwiesenermaßen viel sicherer ist”.

Wenn man beobachtet, wer seit Schäubles Vorstößen im Hintergrund ständig die Fäden gezogen, die Vorträge und die Materialien, sowie die falsch interpretierbaren Statistiken zur Verfügung gestellt hatte und nun Frau von der Leyen tatkräftig unterstützt, nur weil Hr. Schäubles Argument mit der Terrorgefahr nicht mehr zieht, der kann erahnen, welche Behörde damit gemeint ist. Eben jene, die durch diese Machenschaften am Meisten profitiert. Fängt mit B an und hört mit KA auf.

Es wird in zukünftiger Zeit immer leichter werden unliebsame Personen los zu werden. Sei es der Nachbar, der ständig mit seiner lauten Mucke nervt, seien es die Lehrer in der Schule, die einen mit Noten drangsalieren oder der Arbeitgeber, der einem nicht die Gehaltserhöhung geben will. Man muss nur, und das geht sehr leicht, diese Person dazu zu bringen, auf eine unliebsame Seite sich zu bewegen … willkommen im Web 3.0 – das Web des gläsernen Bürgers Untertans!