Getagged : Befugnisse

Lügen und feuchte Träume

Ich hatte nun diese Woche Zeit, mich aus England schmalbrüstigem Internet heraus weitgehendst zu informieren. Was die letzten Tage an geistiger Diarrhöe in Umlauf gebracht wurde, grenzt schon an der Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Andere würden Verfassungsfeinde dazu sagen.

Erst heute bin ich auf diesen Artikel gestoßen, wo doch tatsächlich auf einmal eine Echtzeitüberwachung der Zugriffe auf die Stoppschild-Seite gefordert wird. Dabei wurde bis vor wenigen Tagen definitiv das vollkommen ausgeschlossen.

Ein “aufgrund der Umleitung zur Stoppseite erfolgloser Versuch, eine Internetseite mit kinderpornographischem Material aufzurufen, erfüllt die Voraussetzungen dieses Straftatbestands und begründet daher den für strafrechtliche Ermittlungen notwendigen Anfangsverdacht”. [...] Geriete man etwa versehentlich oder durch böswillige Hinweise provoziert zu einem Stoppschild, würde dann de facto eine Hausdurchsuchung oder Schlimmeres drohen. Auch dies bestätigte Staudigl: “Ob und gegebenenfalls wer sich strafbar gemacht hat, wird regelmäßig erst durch die sich daran anschließenden strafrechtlichen Ermittlungen geklärt werden können.”

Na? Geblickt? Ihr surft auf eine Seite, klickt auf einen Link und dummerweise ist die dahinterliegende Seite zB. KiPo (oder später eine Lotto-Seite oder politische Organisation, Bürgerrechtler usw.), bekommt die Stop-Seite zu sehen und habt ein Verfahren an der Backe!

Das kann euch nicht passieren? Wirklich nicht?

  1. Tippt ihr die URL eures Ziels ab und zu mal per Hand ein? Habt ihr euch noch nie vertippt? Habt ihr schon einmal mitbekommen, dass bewusst einige Anbieter Domains registrieren, die wie zB google.de inkl Tippfehler aussehen? Und zufälligerweise ist diese Seite auf der Stop-Liste … und ihr habt Ärger!
     
  2. Surft ihr mit den Standard-Einstellungen des Firefox? Der hat eine nette Funktion, die sich Network Prefetch oder Link Prefetching nennt. Allein die Googlesuche oder eine andere Seite mit Links reicht aus, dass die ersten Links aus der Ergebnisliste oder der Seite durch den Firefox im Hintergrund im Voraus geladen werden, ohne dass ihr einen Finger krumm gemacht habt. Dummerweise war darunter eine Seite, die geblockt ist und ihr seit nun dem BKA bekannt!
     
  3. Popups werden durch seriöse Seiten eingeblendet und es werden Bilder oder Werbung präsentiert, die mitunter nicht kontrolliert werden. Diese könnten auf der Liste ebenso stehen – und ihr habt ein Problem!
     
  4. Ihr sucht etwas Bestimmtes in einer Suchmaschine und glaubt das Ergebnis in einem der Links gefunden zu haben und klickt darauf. Die Seite ist auf der Liste und ihr bekommt Besuch! 
     
  5. Schon einmal eine tiny.url angeklickt?

Realisiert ein Teil überhaupt, was hier in Deutschland gerade passiert? Oder ist es denen egal, weil sie entweder nur Einzelpersonen sind oder “nichts zu befürchten haben”? Hier geht es nicht um KiPo .. hier geht es um weitaus mehr. Die Begehrlichkeiten wurden bereits geweckt. Am Anfang war es “nur” KiPo. Nun ist es, wie es vorauszusehen war schon angedacht, Glücksspielseiten, Gewaltdarstellungen (darunter fiele auf Berichterstattungen von Krisengebieten), und Seiten, die der Content-Mafia nicht gefallen zu blocken. Mit welchen Mitteln hier gegen die Kritiker gearbeitet wird ist weitaus tiefer, als die Gürtellinie erlaubt:

Als “Unfug” bezeichnete Müller-Piepenkötter den Vorwurf einer Internetzensur: “Eine Freiheit Kinderpornografie zu verbreiten und zu konsumieren gibt es nicht.” Ähnlich sei das Problem im Bereich Urheberrechtsverletzungen. “Es kommt hier zu einer Enttabuisierung, weil es Gleichgesinnte gibt”, sagte die Ministerin.

Ich danke Ihnen, Frau Müller-Piepenkötter, für diese Beleidigung unterster Schublade. Auch wenn der geneigte Leser meint, dass Vergleiche mit der NS-Zeit hinken, so sollten wir alle aus dem Übel dieser Zeit doch gelernt haben. Wir sollten die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Zum Beispiel führten die Nazis 1939 den Straftatbestand “Rundfunkverbrechen” ein. Am Anfang wurden die Senderskalen an den Radiogeräten an bestimmten Stellen geschwärzt, was dann dazu führte, dass man als Hörer und interessierter Mensch nach den Sendern (zB. Radio Vatican, BBC, Radio Moscow) gesucht hatte und trotz Schwärzung diese fanden, denn die Sender strahlten ja ihre Sendungen weiterhin aus. Ebenso verhält es sich mit dieser Stop-Seite. Die Seiten existieren weiterhin, weil die Strafverfolgungsbehörden anscheinend nicht gewillt sind, diese vom Netz nehmen zu lassen. Stattdessen wird geschwärzt.

Gegen die Hörer der “Feindsender” wurde dann der Straftatbestand “Rundfunkverbrechen” eingeführt, der es den Deutschen bei Todesstrafe verbot, diese zu hören. Die Todesurteile wurden auch vollstreckt. Nun kann man noch zum Glück sagen, dass wir keine Todesstrafe haben, aber ein “Internetverbrecher” kann allein schon durch einen Verdacht wirtschaftlich durch Beschlagnahmung seiner Arbeitsgrundlagen, Rechner, Aufzeichnungen usw. derart ruiniert werden, dass es einer Todesstrafe nahe kommt. Schon allein, dass Nachbarn und Angehörige davon Kenntnis haben ist völlig ausreichend und den neugewonnenen “Leumund” wird man nicht mehr los, auch wenn man unschuldig ist.

Heute gibt es keine Feindsender mehr, aber illegale Webseiten. Was illegale Webseiten sind, weiß keiner, da die Kenntnis darüber geheim ist. Das Abschalten unliebsamer Seiten ist meist einfacher, als ein Telefonat zu führen und die Frage, die ich schon so oft gestellt habe, ist, wieso nicht angerufen oder gemailt wird? Die Antwort kann nur lauten, dass dann die Begründung obsolet wäre, das eigentliche Ziel durchsetzen zu können –  Kontrolle und Überwachung.

Geschichtlich ist bewiesen, dass nur Despoten und Diktatoren so große Angst vor ihren Untertanen haben/hatten, dass sie eine, die jeweils technische Grenzen ausschöpfende Totalüberwachung anordneten. Darunter fiel zB. der KGB, die GeStaPo oder die Stasi. Bisher nicht bewiesen, aber auf Grund der Geschehnisse zu vermuten, ist, dass die Arroganz der Macht grundsätzlich darauf hinausläuft, den Souverän – das Volk – langsam zu Untertanen zu erklären, was immer mit Totalüberwachung verbunden war und immer sein wird.

Bewiesen ist aber auch, dass mit dem Totschlagargument Kriminalität (in welcher Form auch immer – je schlimmer, um so besser) die Einrichtung von Überwachungsbehörden bei den Überwachten auf wenig Widerstand führt. Die Argumente sind immer die gleichen: “Es ist für eure Sicherheit” und “Nur Kriminelle (damals Volksverräter, heute zB Pädophile) sind dagegen”.

Offene Unterdrückung führt zu Widerstand. Implizierte Unterdrückung , die meist von paranoiden und größenwahnsinnigen Menschen selbst ausgeht, hat kaum einen Widerstand und eine weitreichendere Tragweite. Wenn ich jemanden mit einer Waffe bedrohe und seine Geldbörse fordere, dann wird er mich verabscheuen. Wenn ich aber so lange auf die Gefahr von Räubern hinweise, die einen wegen der Brieftasche umbringen könnten, dann werden die Menschen zu mir kommen und ihre Geldbörse freiwillig abgeben, weil es ja ohne “erwiesenermaßen viel sicherer ist”.

Wenn man beobachtet, wer seit Schäubles Vorstößen im Hintergrund ständig die Fäden gezogen, die Vorträge und die Materialien, sowie die falsch interpretierbaren Statistiken zur Verfügung gestellt hatte und nun Frau von der Leyen tatkräftig unterstützt, nur weil Hr. Schäubles Argument mit der Terrorgefahr nicht mehr zieht, der kann erahnen, welche Behörde damit gemeint ist. Eben jene, die durch diese Machenschaften am Meisten profitiert. Fängt mit B an und hört mit KA auf.

Es wird in zukünftiger Zeit immer leichter werden unliebsame Personen los zu werden. Sei es der Nachbar, der ständig mit seiner lauten Mucke nervt, seien es die Lehrer in der Schule, die einen mit Noten drangsalieren oder der Arbeitgeber, der einem nicht die Gehaltserhöhung geben will. Man muss nur, und das geht sehr leicht, diese Person dazu zu bringen, auf eine unliebsame Seite sich zu bewegen … willkommen im Web 3.0 – das Web des gläsernen Bürgers Untertans!

Datenbankenverquirlung

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Vornehmlich die Union, zu Teilen aber auch die SPD, wollen Datenbanken des BND mit denen des Verfassungsschutzes und den deutschen Polizeibehörden koppeln. Andere Datenbanken sollen weiter aufgebläht werden. Daneben geht es mitunter auch um das Belauschen via Internet geführter Telefonate und das Mitlesen von eMails, nebst Abhören von Deutschen im Ausland und Befugniserweiterungen.

Aber nein: die Herren Politiker wollen niemals nie nicht Polizeien und Geheimdienste miteinander verstricken. Das wäre ja etwas, wie nach ’33 mit der Gestapo und ist gemäß unserem Grundgesetz doch verboten, oder? Das würden die doch niemals machen …

Apropos: ist euch schon einmal aufgefallen, dass die bisherigen Datenmissbrauchskandale vornehmlich bei Staats- bzw. Exstaatskonzernen aufgetreten sind?

Über den Tellerrand Nr. 6

  1. Dass Daten “niemals” für persönliche Zwecke missbraucht werden, zeigt der Vorfall bei der Deutschen Bahn, wo über 170000 Daten von Angestellten (meine Eltern sind sicherlich auch davon betroffen) für andere Zecke missbraucht wurden, um so deutlicher. Was jetzt bekannt wurde ist, dass der Chef persönlich, Hr. Mehdorn, diese Informationen für private Zwecke genutzt hat.  Mindestens eine Person hatte er genauer durchleuchten lassen, da diese Person ihn wegen eines Steuerdeliktes angezeigt hat. Und eine Entschuldigung oder Information lässt auf sich warten …
    Aber es ist ja alles rechtlich erlaubt und legitim. Und noch einmal – wo Daten sind, egal ob in wirtschaftlicher oder staatlicher Hand, werden diese früher oder später anderweitig verwendet – für was, dass lasse ich offen – denn die “niederen” und unter Umständen kriminellen Beweggründe kann kaum einer erahnen. Vielleicht s0ltten sie mal mit dem BKA oder BND kooperieren, dann können die noch was lernen.
  2. Was man nicht alles mit Biometrie machen will: die EU-Männel und Frauen wollen damit einen sicheren Zahlungsverkehr gestalten, da der Kreditkartenbetrug ein immer drängenderes Problem wird. Ich verweise hier auf den Datenschutz-Blog, der in seinem Fazit es treffend formuliert – biometrische Informationen sind kopier- bzw. fälschbar, mit Fingerabdrücken geht es bereits und der Iris-Scan wird auch nicht mehr lange auf sich warten. All das, was erreicht wird ist eine Erhöhung des Identitätdiebstahls, der es Kriminellen und Institutionen vereinfacht, Zutritt zu gesicherten Informationen und Objekten zu erhalten.
  3. Die Polizei, dein Freund und Helfer: mit Fingerspitzengefühl, ohne den Bogen an “Gewalt” zu überspannen und (un)vollkommen verhältnismäßig ist sie zur Stelle, um “Sünder” ihre Vergehen aufzuweisen …
  4. Alle Kinder sind gleich – einige sind gleicher! Das wussten wir schon lange und nun beweisst England mal wieder aufs Neue, dass es so ist. Schlimm genug, dass es eine Datenbank mit derart vielen Informationen über Kinder gibt, wo Hinz und Kunz sich auch noch “öffentlich” bedienen kann. Schlimmer ist es, dass einige Kinder von Politikern und Prominenten darin nicht auftauchen. Die Eltern sind ja sowieso über alle Zweifel erhaben und müssen geschützt werden – ich verstehe! Abschaffenn dieser Datenbanken schützt eher und schürt auch Vertrauen, aber das begreifen die Politiker nicht, denn es widerspricht ihren Zielen …
  5. Etwas Positives: Die Verfassungsbeschwerde gegen das BKA-Gestz läuft. Ich drücke Twister und uns allen die Daumen.
  6. “Monster”mäßiger Datendiebstahl: 4,5 Millionen geklaute Daten inkl. Passwörter und allem Drum und Dran bei der Monster-Jobbörse in UK. Toll, oder?
  7. Missbrauch vorprogrammiert: Die riesigen Daten aus den Call-Centern, die letztes Jahr einfach so herumgeisterten (und keiner war es gewesen, versteht sich) haben jetzt ihr erstes Opfer gefunden. Eine alte Dame, die nicht einmal das Wort Internet aussprechen kann, geschweige ein internetfähiges Gerät besitzt, soll angeblich sich überall registriert haben und die Gewinnspiel-Fuzzies haben ihr mal knappe 2000 Euro vom Konto abgebucht – ohne Einzugsermächtigung versteht sich!
  8. Wieder einmal die Kripo: Während die eine Seite meint, sie könnten gar nicht dem “Cybercrime” etwas entgegensetzen, da das Know-How, die Technik und das Personal fehlt, fordert die andere Gewerkschaft mehr Befugnisse, insbesondere den vermehrten Einsatz des Bundestrojaners. Es ist interessant zu erfahren, dass auf einmal aus einem Unikat “Bundestrojaner”, welcher für jedes System zusammengestellt und programmiert werden solle, jetzt ein Softwaretool auf einmal existiert, welches binnen weniger Minuten im Einsatz ist. “Beunruhigt zeigte sich der Datenschützer, dass beim Einsatz des Bundestrojaners bisher von speziell anzufertigender Untersuchungssoftware in Form von “Unikaten” die Rede war. Nun erkläre die Kripo, dass ein entsprechender verdeckter Zugriff auf IT-Systeme “innerhalb einer halben Stunde machbar” sei.” Na Leute? Macht es bei euch “Klick”?

Ich wünsche angenehmes Lesen, Überlegen, Diskutitieren und Verinnerlichen!

Gerade einmal 20 Tage

ist das Gesetz zur Speicherung aller Internetaktivitäten (Vorratsdatenspeicherung) aktiv und schon tönt Hr. Ziercke, dass das alles nicht ausreicht. Das Mittel, welches ja angeblich nur in seltenen Ausnahmefällen Anwendung finden sollte, soll laut Ziercke noch weiter ausgebaut werden. Derzeit sollen angeblich 70% aller Delikte mittels der Quellen-TKÜ (Vorratsdatenspeicherung) aufgeklärt werden / worden sein – wo es doch angeblich nur Ausnahmefälle sein sollten …

Dieses Mal ist neben KiPo auch die organisierte Kriminalität ins Visier gerückt – Stichworte: Bot-Netze, Phishing, Trojaner. Was bitte schön sucht das BKA unter anderem in Osteuropa? 

Die Polizei müsse in der Lage sein, der organisierten Kriminalität auch im Internet “Paroli bieten zu können”.

Tolle Rechtfertigung! Wenn Gangster Geiseln nehmen, dann muss es die Polizei auch, oder was? Dann schnappt sich die Polizei die Familie des Geiselnehmers und bringt einen nach dem anderen um, bis dieser aufgibt? Wenn Kriminelle sich ihren Weg frei schießen, dann darf es die Polizei ebenso? Es kann niemals Waffengleichheit zwischen staatlichen Sicherheitsbehörden und skrupellosen Verbrechern geben, denn die Polizei hat sich an Gesetze zu halten und Grenzen zu achten und diese nicht zu übertreten. Die ultimativen Grenzen sind die des Menschenrechts. Wer heimlich in der Privatsphäre von Menschen rumschnüffelt, wie es bei der Online-Durchsuchung der Fall ist, der verletzt damit die Würde dieses Menschen.

Die Achtung der Würde eines Menschen ist wohl das höchste Menschenrecht überhaupt und steht nicht umsonst auch in unserem Grundgesetz an allererster Stelle! Niemand sollte es zulassen, und man darf es auch nicht zulassen, dass dieses außer Kraft gesetzt wird, nur um im Internet “angeblich” irgendwelchen Kriminellen nachzustellen.

Auch und besonders für staatliche Institutionen müssen Menschenrechte unantastbar sein, denn wen soll der Bürger um Hilfe rufen, wenn die Polizei die Kernbereiche seiner Lebensführung und damit seine Menschenwürde verletzt? 

Versteckt unterstützt wird Ziercke von Hr. Schäuble mit der geplanten und versteckten Änderung, genannt “Gesetz zur Stärkung der Sicherheit in der Informationstechnik des Bundes” (hier Kommentar dazu bei Fefe). Was dort gekocht und zusammengewürfelt wird, dass sprengt jegliche Vorahnung und Ängste, die bei der Vorratsdatenspeicherung aufkamen, um Längen, denn dann darf, laut Papier, jedes Unternehmen auf unbestimmte Zeit Daten jeglicher Art, die auf ihren Servern stattfanden bzw. diese passierten (weitergeleitet), speichern und setzt somit den Datenschutz völlig außer Kraft (obwohl ja Hr. Schäuble immer so besorgt war um unseren Datenschutz). Ohne richterlichen Beschluss dürfen/müssen diese Daten an Strafverfolgungsbehörden übergeben werden – auch bei “kleinen Delikten”.

Somit kann man selbstverständlich dem BVerfG eine lange Nase zeigen, wenn diese die Vorratsdatenspeicherung für grundgesetzwidrig erklären. Ich mag mir gar nicht ausdenken, was mit diesen Datenbergen noch alles gemacht wird – besonders dann, wenn Firmen es offiziel per Gesetz dürfen.

Einfach widerlich das Kasperle-Theater da oben. Aber sie haben es ja in den letzten 20 Jahren geschafft, sich die Wähler heranzubilden (Schulsystem) und aufzuziehen, die das alles glauben.

 

“Wir sind ratlos, wo das Problem liegen könnte”

Es ist ja bekanntlicherweise schon amtlich und Viele bekamen bereits Post (ich noch nicht, aber ich brenne schon darauf mit einer Musterklage mal beim Anwalt vorbeizuschauen). Der Inhalt? Die eineindeutige Steueridentifikationsnummer.

Man könnte beinahe anfangen zu lachen, wenn das eigentliche Grundthema nicht so traurig wäre. Das es schier schwierig, vielleicht gar unmöglich ist, sämtliche Daten aus den einzelnen Behörden zusammenzufassen, das war fast jedem im Hinterkopf klar. Das die Zusammenführung derart Müll produziert hat sollte Jedem aufzeigen, wie gewissenhaft mit den Daten vor der Zentralisierung umgegangen wurde und mit Sicherheit danach weiter umgegangen wird.

Ich habe nicht einmal genügend Finger an meinen Händen, um die verzögerten, schief gelaufenen und unnützen IT-Projekte des Bundes zu zählen. Das kostet unser aller Geld – Steuergelder für Dinge, die keinen sichtlichen Nutzen mitbringen (außer es ist alles zentral und wird alles besser – wer es glaubt). Wieso gibt man diese Unsummen nicht für wichtige Dinge aus? Geld für die Bildung, Unterstützung von sozial Schwachen, die dieses Geld weitaus dringender bedürfen oder Schaffung und Unterstützung von Arbeitsplätzen. All das ist weitaus besser als in sinnlose Projekte das Ganze zu verpulvern.

Zusätzlich kostet es vielleicht auch irgendwann einmal die Identität, wenn, wie beim Datenabgleich, Einträge auftauchen:

… heißt zudem etwa der Rentner William Jung jetzt mit Nachnamen “Ficken” und wurde in “Hamburg, Kasachstan” geboren. Astrid Brauer stammt demnach angeblich aus dem Iran, ihr Mann aus Russland und ihr Sohn aus Spanien.

Und wir reden hier “nur” von der Steuernummer – nicht einmal vom ePerso. Wenn ich mir ein derartiges Fiasko bei der Einführung der biometrischen Ausweise vorstelle, wird mir ganz schlecht. Ich frage mich sicherlich später, wo ich dann geboren wurde, welchen Nachnamen ich derzeit besitze und wieso um Gottes Willen ich eine Namensänderung vornehmen lassen muss, nur weil das Amt 1000%-ig sicher ist, dass deren falschen Daten stimmen und ich ergo in deren Augen lüge?

Die Damen und Herren spielen mit Dingen, die leicht nach hinten losgehen können und wahrscheinlich auch werden. Ich mag mir nicht vorstellen, wenn ich durch einem Fehler im System auf einmal durch eine falsche Herkunft, eines Namens oder der Religion auf einer ganz anderen Liste stehe und die netten Herren vom BKA, BND, SEK oder sonst wer an meine Türe “sanft” anklopfen oder die Wohnung verwanzt und überwacht wird.

Aber sie können nichts dafür – sie sind ratlos, wo das Problem liegen könnte. Oder anders gesagt: Sie wissen nicht, was sie tun.

Ärger: “Zahl terroristischer “Gefährder” hierzulande gab Ziercke als zweistellig an” …

… eine interessante Aussage. Ich schätze mal im zweistelligen Millionenbereich, oder Herr Ziercke?

Betrachten wir das Ganze mal von der anderen Seite und übersehen einfach mal, dass sich mit der Argumentation seit Monaten nicht einen Millimeter zur Seite bewegt wird.

Wieso benötigen wir ein Datenservice- und Kompetenzzentrum für eine Hand voll (10-99) mögliche “Gefährder”? Es wurde doch immer nur von Einzelfällen gesprochen und nun brauchen wir eine ganze Behörde dafür?

Wieso werden Maßnahmen versucht durchzusetzen, um 10-99 “Gefährder” vielleicht/gar nicht zu fassen, dafür aber 82.000.000 Bürger ohne Verdacht zu überwachen? Da ist doch was faul – da stimmt doch eine Menge vorne und hinten nicht.

Wieso ist ein Herr Ziercke der Meinung, dass der Zugriff auf die Daten gemäß dem Gebot der Trennung von Ermittlern und Geheimdiensten “natürlich strikt eingehalten” wird? Wie will er das erreichen? Mit einer Selbstverpflichtung, wie Herr Schäuble es bei den TK-Firmen versucht zu erreichen? Einfach lachhaft. 

Wo Daten erhoben werden, wird definitiv früher oder später immer bewusst Missbrauch damit begangen. Immer … ! Nur nicht erhobene Daten sind sicher!

Wieso benötigt der Herr Ziercke auf einmal wieder den physischen Zugriff auf den Zielrechner und somit den benötigten heimlichen Einbruch in die Wohnung? Ist das BKA doch endlich darauf gekommen, dass E-Mail allein nicht geht als Infiltrationsweg? Wieso muss sich das BKA immer gegen das Grundgesetz stellen?

Haben denn unsere Abgeordneten und Minister und Staatsdiener nicht auf die Verfassung, auf die Wahrung des Grundgesetzes geschworen?

Wir brauchen noch mehr Leute wie den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Hans-Jürgen Papier. Er sagte:

Die Grundrechte sind dazu bestimmt, die Freiheitssphäre des Einzelnen vor Eingriffen der öffentlichen Gewalt zu sichern; sie sind Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat.

Das sollten sich die Damen und Herren im großen Saal in Berlin mal irgendwann in ihre ach so klugen Köpfe einmeißeln. 

Wenn eine Regierung oder auch eine Religion es unternimmt, ihren Untertanen zu sagen: dies dürft ihr nicht lesen, das dürft ihr nicht sehen, jenes ist verboten zu wissen, dann ist das Endergebnis Tyrannei und Unterdrückung, egal wie heilig der Grund dafür ist.

Aber: Entweder wissen sie nicht, was sie anrichten, oder sie wissen es. Wenn Ersteres, dann sollten sie ihre “Dummheit” eingestehen und daraus lernen bzw. das Ganze korrigieren, was sie verbockt haben. Wenn Zweites, dann würde ich sagen “Gute Nacht Deutschland”.

PS.: Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Die Macht der schwarzen Koffer. Aber mit Sicherheit haben die mir vorm geistigen Auge schwebenden Leute noch niemals nie nicht einen derartigen Koffer gesehen. Nee, ist klar …mir fällt da (leider) sofort stets der Herr Schäuble ein. Na wo sind denn die 100000 DM?