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Über den Tellerrand Nr. 6

  1. Dass Daten “niemals” für persönliche Zwecke missbraucht werden, zeigt der Vorfall bei der Deutschen Bahn, wo über 170000 Daten von Angestellten (meine Eltern sind sicherlich auch davon betroffen) für andere Zecke missbraucht wurden, um so deutlicher. Was jetzt bekannt wurde ist, dass der Chef persönlich, Hr. Mehdorn, diese Informationen für private Zwecke genutzt hat.  Mindestens eine Person hatte er genauer durchleuchten lassen, da diese Person ihn wegen eines Steuerdeliktes angezeigt hat. Und eine Entschuldigung oder Information lässt auf sich warten …
    Aber es ist ja alles rechtlich erlaubt und legitim. Und noch einmal – wo Daten sind, egal ob in wirtschaftlicher oder staatlicher Hand, werden diese früher oder später anderweitig verwendet – für was, dass lasse ich offen – denn die “niederen” und unter Umständen kriminellen Beweggründe kann kaum einer erahnen. Vielleicht s0ltten sie mal mit dem BKA oder BND kooperieren, dann können die noch was lernen.
  2. Was man nicht alles mit Biometrie machen will: die EU-Männel und Frauen wollen damit einen sicheren Zahlungsverkehr gestalten, da der Kreditkartenbetrug ein immer drängenderes Problem wird. Ich verweise hier auf den Datenschutz-Blog, der in seinem Fazit es treffend formuliert – biometrische Informationen sind kopier- bzw. fälschbar, mit Fingerabdrücken geht es bereits und der Iris-Scan wird auch nicht mehr lange auf sich warten. All das, was erreicht wird ist eine Erhöhung des Identitätdiebstahls, der es Kriminellen und Institutionen vereinfacht, Zutritt zu gesicherten Informationen und Objekten zu erhalten.
  3. Die Polizei, dein Freund und Helfer: mit Fingerspitzengefühl, ohne den Bogen an “Gewalt” zu überspannen und (un)vollkommen verhältnismäßig ist sie zur Stelle, um “Sünder” ihre Vergehen aufzuweisen …
  4. Alle Kinder sind gleich – einige sind gleicher! Das wussten wir schon lange und nun beweisst England mal wieder aufs Neue, dass es so ist. Schlimm genug, dass es eine Datenbank mit derart vielen Informationen über Kinder gibt, wo Hinz und Kunz sich auch noch “öffentlich” bedienen kann. Schlimmer ist es, dass einige Kinder von Politikern und Prominenten darin nicht auftauchen. Die Eltern sind ja sowieso über alle Zweifel erhaben und müssen geschützt werden – ich verstehe! Abschaffenn dieser Datenbanken schützt eher und schürt auch Vertrauen, aber das begreifen die Politiker nicht, denn es widerspricht ihren Zielen …
  5. Etwas Positives: Die Verfassungsbeschwerde gegen das BKA-Gestz läuft. Ich drücke Twister und uns allen die Daumen.
  6. “Monster”mäßiger Datendiebstahl: 4,5 Millionen geklaute Daten inkl. Passwörter und allem Drum und Dran bei der Monster-Jobbörse in UK. Toll, oder?
  7. Missbrauch vorprogrammiert: Die riesigen Daten aus den Call-Centern, die letztes Jahr einfach so herumgeisterten (und keiner war es gewesen, versteht sich) haben jetzt ihr erstes Opfer gefunden. Eine alte Dame, die nicht einmal das Wort Internet aussprechen kann, geschweige ein internetfähiges Gerät besitzt, soll angeblich sich überall registriert haben und die Gewinnspiel-Fuzzies haben ihr mal knappe 2000 Euro vom Konto abgebucht – ohne Einzugsermächtigung versteht sich!
  8. Wieder einmal die Kripo: Während die eine Seite meint, sie könnten gar nicht dem “Cybercrime” etwas entgegensetzen, da das Know-How, die Technik und das Personal fehlt, fordert die andere Gewerkschaft mehr Befugnisse, insbesondere den vermehrten Einsatz des Bundestrojaners. Es ist interessant zu erfahren, dass auf einmal aus einem Unikat “Bundestrojaner”, welcher für jedes System zusammengestellt und programmiert werden solle, jetzt ein Softwaretool auf einmal existiert, welches binnen weniger Minuten im Einsatz ist. “Beunruhigt zeigte sich der Datenschützer, dass beim Einsatz des Bundestrojaners bisher von speziell anzufertigender Untersuchungssoftware in Form von “Unikaten” die Rede war. Nun erkläre die Kripo, dass ein entsprechender verdeckter Zugriff auf IT-Systeme “innerhalb einer halben Stunde machbar” sei.” Na Leute? Macht es bei euch “Klick”?

Ich wünsche angenehmes Lesen, Überlegen, Diskutitieren und Verinnerlichen!

Gegen uns mit unseren Steuergeldern …

Vehement klingelt es in den Ohren und der Ruf nach “MEHR” gegen KiPo und Terroristen wird lauter. Bürgerrechtler, Datenschützer und Kritiker werden zur Achse des Bösen gezählt, als Lügner und Aufrührer abgestempelt. Nur mit “MEHR” Überwachung kann man, laut Ansicht des BKA und der Regierung, den stetigen Drang nach KiPo und Selbstmord- und Terrorattentaten verhindern.

Immer das Gleiche, keine Diskussion bezüglich der kritischen Stimmen, keine tiefergreifende Erklärung der sonst erzählsüchtigen Politiker. Wieso nicht? Weil sie keine Argumente haben, und das wird langsam immer deutlicher. Erst waren es die Terroristen, dann Raubkopierer, gefolgt von Mördern und Straftätern und dann KiPo. Und weil das allein nicht half, sind sie jetzt bei Terror und KiPo – also Terrorporno. Am Besten noch “Raubkopiererkinderschänderterroristenmörder” – in Ansätzen kam es bereits, aber lange wird es nicht mehr dauern, bis das in einem Atemzug als Argumentation kommt.

Es ist interessant zu sehen, wie Hr. Ziercke damals von “einer handvoll Fälle” und Gefährder sprach und, obwohl das Gesetz noch nicht unterschrieben wurde, jetzt schon weitere Verschärfungen und Befugnisse fordert. Fällt das Keinem auf? Von “einer Handvoll” will er anscheinend nichts mehr wissen, sondern “ein breites Panorama polizeilicher Aktivitäten” wird präsentiert, wofür auf einmal die baldigen und die geforderten Befugnisse (mehr IP-Speicherung) benötigt werden.

Es wird ebenso verglichen mit den Zensur- und Filtermaßnahmen in Norwegen. Angeblich laut Hr. Ziercke werden täglich über 15.000 Zugriffe auf KiPo-Seiten registriert. Und jetzt frage ich völlig unbefangen:

Wieso sind diese dann noch nicht offline und die Drahtzieher im Knast?

Weil das so schwierig ist? Weil es einfacher ist, die Konsumenten zu bestrafen? Wo keine Ware, da auch kein Markt – so war das doch mit der Marktwirtschaft, oder? Netzsperren verhindern KiPo ebenso wenig und sind nur Pseudo-Augenwischerei. Ob das Bild angesehen wurde oder nicht, ändert nichts an der Tat als Solche. Das Kind wurde missbraucht und diese Sache ist und bleibt schlimm. Es ist letztendlich nichts Anderes, als wenn ich einen Vorhang vor den laufenden Fernseher ziehe. Die Sendung läuft weiter, aber ich sehe es nicht. Sollte das jemand anders sehen, möge er sich bitte melden und mir das Gegenteil aufzeigen.

Genauso gut kann man bezüglich der “gefordertem Wirksamkeit der Gefahrenabwehr” auch sagen, dass jeder vorsorglich erschossen werden soll, damit der ja nie im Leben eine Straftat begehen kann. Flaches Argument? Zumindest macht man es hier (noch) nicht – obwohl ja das Abschießen von Flugzeugen schon in aller Munde war. Dennoch fehlen anscheinend bei vielen Amtsstuben und Behörden Begriffe aus dem Duden, wie Verhältnismäßigkeit, Unschuldsvermutung, mündiger Bürger, Datenschutz, Privatsphäre. Das sind mitunter Grundwerte unserer Demokratie und Gesellschaft und werden nach und nach, ohne dass es der Großteil merkt, abgeschafft.

Ich hatte es schon Monate vorher geschrieben: niemand ist perfekt und schwarze Schafe gibt es überall und wir sollten alle Kommunikationsdaten nicht “bereitwillig” und ohne Widerworte herausgeben, denn vertraut man den Leuten dort zu 100%? Das kann man eben nicht, da per Gesetzesentwürfe fast alles der gesammelten Daten gegen einen verwendet werden kann. Sie dürfen suchen und Zufallsfunde ebenso verwerten – und sie werden suchen, wenn sie das Eigentliche nicht finden sollten. Mit Sicherheit – so etwas nennt man Erfolgsdruck und wer nichts zu verbergen hat, der werfe jetzt den ersten Stein.

Gesprächs- und Kommunikationsdaten werden miteinander verknüpft und das über Monate und Jahre hinweg (wer glaubt schon daran, dass die Daten gelöscht werden – macht ja Payback auch nicht), ganze Beziehungsnetzwerke und Profile zwischen und über den/die Menschen können aufgebaut werden und das ist selbst für die heutige Rechentechnik eher ein Klacks. Ich kann es nur betonen: Schon einmal gesehen, was man schon mit gut angelegten 5 Tabellen in einer Datenbank für Informationen und Beziehungen aufbauen und herausfiltern kann? Ich sehe das jeden Tag mit Hilfe der Datenbank für eine Zeiterfassung, an dessen Entwicklung ich zur Zeit beschäftigt bin. Und das ist nur ein gaaaaanz kleines Projekt mit sehr wenigen Daten. Wir reden hier über Daten von mitunter über 80 Millionen Bürgern – pro Person mindestens ein Eintrag pro Tag.

Es wird noch nicht Lieschen oder Müller sein, aber früher oder später fällt man allein durch das Beziehungsnetzwerk ins Raster. Auffällige Anrufe oder Mails – vielleicht etwas zu viel Spam bezüglich KiPo oder Raubkopien erhalten? Nicht beherrschte Popups, welche “belastende” Bilder auf den Rechner in den Browser Cache laden (Prefetching) auch ohne explizites Zutun? Zu stark politisch oder gesellschaftlich engagiert? Vielleicht ein Bürgerrechtler oder Datenschützer? Einem Überwachten vielleicht Geld überwiesen (bewusst oder durch Zahlendreher)? Jemandem auf die Füße getreten und sei es nur Jemand der Jemanden kennt, der aber noch eine Schuld zu begleichen und die nötigen Mittel hat? Als Journalist das Falsche ausgegraben? Durch Falsch-Adressierung sensible oder unter Strafe stehende Daten erhalten? Unwahrscheinlich? Ich lass mich gern über die Zeit eines besseren Belehren …

Spätestens seit heute sollte man sehen, dass selbst Polizisten böse sein können. Es hilft nicht die Effekte und Resultate zu verschleiern bzw. einzudämmen. Nicht nur ich, sondern auch andere, sind der Meinung, dass man das Problem an der Wurzel anpacken muss. Das Internet ist nur ein Medium – die, die das Übel produzieren sind in der “realen” Welt zu Hause. Alles, was die Polizeien bisher geleistet und entdeckt haben, das haben sie ohne diese Machtinstrumente erreicht. Also heißt es Sumpf austrocknen – Polizei aufstocken und schulen und Präsenz inkl. Aufklärung (auf)zeigen und mit üblichen Ermittlungsmethoden die Leute dingfest machen. Das ganze Geld für diesen “Überwachungsapparat” sollte genau in letztere Dinge gesteckt werden – dann klappt das auch. Aber nein: stattdessen wollen sie die massiv bürgerlich einschneidende aber einfachere Variante, damit ein besserer Eindruck in den Ledersesseln zurückbleibt. Bösewichter fängt man nicht mittels Mausklick!

Ich betone es noch einmal: die, die sie angeblich drankriegen wollen, werden sie nicht drankriegen. Unzählige Kommunikationswege (Papier, TV und Radio (versteckte Botschaften), Paket, Brieftaube) stehen ebenso zur Verfügung, wie Verschlüsselungstechniken jeglicher Art. Ebenso wären beliebige Ziele/Opfer möglich und somit ist der Versuch einer Überwachung völlig ungeeignet, uns vor den bösen Menschen zu schützen. Die Überwachung hilft auch in keinster Weise vor Missbrauch, Morden, Diebstahl oder Terrorismus. Dahingehend ist der massive Eingriff in die Rechte der informationellen Selbstbestimmung absolut nicht zu rechtfertigen.

VDS und die Aufrüstung des BKA, was in meinen Augen nicht die Effektivität erzeugt, die propagiert wird, zahlen wir alle mit unseren Steuergeldern. Und weil es “noch” nicht so effektiv ist, werden mit Sicherheit noch mehr Forderungen und Einschitte in unsere Freiheit zum Wohle der Sicherheit laut. Es wird nicht heute oder morgen, aber vielleicht schon übermorgen gegen uns gerichtet sein …

“Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erlangen, wird am Ende beides verlieren ….”

Püppi hat Post aus Bonn

Ehrlich gesagt hätte ich mir es gewünscht für Püppi und uns keine Post aus Bonn zu erhalten. Die Rede ist von der Zustellung der Steueridentifikationsnummer gemäß § 139b der Abgabenordnung (AO).

Heute ist das erste Schreiben herein geflattert und zwar an unsere Tochter, die gerade mal 8 Monate alt ist. Wer sich noch nicht darüber im Klaren sein sollte, was diese Nummer bedeutet und was diese für Möglichkeiten bietet, der sollte sich etwas auf meinem Blog umschauen oder die in diesem Beitrag beigefügten Links ansehen. Für Informatiker sei gesagt: SteuerID = PrimaryKey.

Als erste Anlaufstelle empfehle ich die Info-Seiten der Humanistischen Union. Da eine Klage nicht mehr vor dem BVerfG geführt werden kann (kann meines Wissens nach nur 1 Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes) gibt es auch ein Beschwerdeschreiben, mit Hilfe dessen man sich bei Erfolg der anstehenden Klage vor dem Finanzgericht berufen kann.

Ich für meinen Teil mache gerade das Beschwerdeschreiben fertig, denn meine Familie und ich wollen keine Nummer sein.