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Anwältin im Krieg …

… ich denke jeder hatte die Aktion mit der Steueraffäre in Liechtenstein mitbekommen. Nun stand bis dato alles auf Aufklärung und mehr als hundert Fälle wurden schon heraus gekramt. Wer sich den aktuellen Artikel bei der Financial Times Deutschland zu Gemüte führt (4 Seiten), der wird einiges Interessantes und Hintergründiges erfahren. Die für die Fälle leitende Staatsanwältin soll von ihren Vorgesetzten strafversetzt werden, begründet auf scheinheilige Argumente.

Wer den Artikel noch bis zum Schluss durchhält, der wird auch erschreckend erfahren, wie die Behörde seitens der Vorgesetzten dort be”arbeitet” wird. Man könnte ja fast unterstellen, die wollen, dass diese, wie auch andere Fälle unter den Teppich gekehrt werden. Wenn das nur ansatzweise stimmt, was der/die Journalisten da an Informationen ausgegraben haben, dann muss da definitiv etwas geschehen. Das schreit förmlich nach: “Da ist definitiv etwas nicht sauber am Laufen..!”

Von der Steuergeldverschwendung will ich gar nicht erst reden …

Püppi hat Post aus Bonn

Ehrlich gesagt hätte ich mir es gewünscht für Püppi und uns keine Post aus Bonn zu erhalten. Die Rede ist von der Zustellung der Steueridentifikationsnummer gemäß § 139b der Abgabenordnung (AO).

Heute ist das erste Schreiben herein geflattert und zwar an unsere Tochter, die gerade mal 8 Monate alt ist. Wer sich noch nicht darüber im Klaren sein sollte, was diese Nummer bedeutet und was diese für Möglichkeiten bietet, der sollte sich etwas auf meinem Blog umschauen oder die in diesem Beitrag beigefügten Links ansehen. Für Informatiker sei gesagt: SteuerID = PrimaryKey.

Als erste Anlaufstelle empfehle ich die Info-Seiten der Humanistischen Union. Da eine Klage nicht mehr vor dem BVerfG geführt werden kann (kann meines Wissens nach nur 1 Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes) gibt es auch ein Beschwerdeschreiben, mit Hilfe dessen man sich bei Erfolg der anstehenden Klage vor dem Finanzgericht berufen kann.

Ich für meinen Teil mache gerade das Beschwerdeschreiben fertig, denn meine Familie und ich wollen keine Nummer sein.

Missbrauch undenkbar …

So langsam sollte es auch Denjenigen auffallen, die sonst die Datenschützer, “Freiheit statt Sicherheit”-Anhänger und andere, welche gegen die ausufernde Datensammelwut agieren, als Spinner, Verschwörungstheoretiker oder sonstwas betiteln.

Da schwirren einfach mal locker und flockig 6 Millionen (eine Sechs mit sechs Nullen dran) Datensätze bei unter anderem Call-Centern herum, wobei allein 4 Millionen davon Kontodaten beinhalten. Wie krass und ausufernd ist das denn? Und das für schlappe 850 Euro Investition.

Man stelle sich mal nur etwas kleine kriminelle Energie vor – nur 1 Euro lasse ich mittels einer fingierten/vorgetäuschten Einzugsermächtigung (also keine) von jedem Konto abbuchen. Wenn ich Glück habe, fällt es ja nicht einmal auf. 1 Euro auf dem Kontoauszug? Da regen sich einige nicht einmal auf und belassen es dabei zwei ihrer sonst Millionen von Zahnrädern im Hirn in Bewegung zu setzen.

1 Euro! Sicherlich wenig – aber bei 4 Millionen Einträgen? Huch – ein Millionär ist geboren. Aber Missbrauch ist ja undenkbar – im Kleinen, wie auch im Großen, oder liebe Datensammler bei den mir liebgewonnenen Institutionen?

Überlegt mal weiter: Was wäre, wenn jemand, aus welchen Beweggründen auch immer (Zoff in der Familie, Habgier, Eifersucht, auf Anweisung, unter Drohung usw.) seine Informationsquellen und Möglichkeiten ausschöpft. Was wäre, wenn dieser Jemand nicht nur im Call-Center arbeitet, sondern die eine oder andere höher gelegene Position bekleidet?

Was wäre wenn?

Schonmal nachgedacht, was einfacher Zugriff auf 82 Millionen Steuerdaten verursachen kann? Oder 82 Millionen Datensätze von Krankenakten? Einheitliche Steueridentifikationsnummer und eGK sei Dank. Und das Ganze gibt es dann für einen kleinen Obolus beim Schwarzmarkthändler des Vertrauens. 

Und je mehr Daten zusammenfließen, um so leichter wird es für Diejenigen mit den Möglichkeiten, diese zu missbrauchen, zu fälschen oder mit Unwahrheiten zu erweitern und das Ganze mit realen Fakten aus der Privatsphäre zu untermauern.

Wer kann sich dann noch dagegen wehren? Ach muss ich nicht? Stimmt, ich vergaß: Missbrauch ist undenkbar.