Sicherste Technik, die es gibt – wer’s glaubt

Mustermann nPA (neuer Personalausweis ab 1.11.2010) / Bundesministerium des Innern / Genehmigung: §5 (1) UrhG, official work
Nun ist er da, der “sagenumwobene” nPA (neuer elektronischer Personalausweis)!
Und die Befürworter aus Staat und Industrie versuchen trotz des Zwangsstartes dieser Woche diesen in positiven Licht darzustellen. Der erhoffte “Run” auf den neuen Ausweis blieb aber weit hinter den Erwartungen. Speziell in den “neuen” Bundesländern ging der Einführungstermin einher mit auslaufenden alten Ausweisen. Dumm nur, dass im Vergleich zu den regulären Ausweisbeantragungen in der letzten Woche sehr viele noch den guten alten Ausweis in Auftrag gaben, wie es zB. die Piraten in Potsdam in ihrem letzten Wochenrückblick aufzeigen. Sicherlich mag hier der Umstand ebenso geschuldet sein, dass man für ein derartiges Dokument statt 8€ nun 28,80€ auf den Tisch legen muss und viele Leute mit dieser Hyper-Technik nichts am Hut haben.
Dass es hier nicht nur um Sicherheit geht, sondern auch um wirtschaftliche Interessen, zeigt zB. ein Interview vom 01.10.2010 auf Radio1 (interessant ab ca. 4:00). Ein “sicheres“ Bonuspunkte-Programm kann damit abgewickelt werden – soso. Was das bisherige (und in meinen Augen sehr zweifelhafte) Bonuspunkte-Programm des Handels unsicher darstellen lässt, läuft wohl eher dahingehend hinaus, dass man z.B. nicht eindeutig einen Einkauf auf eine Person zurück schließen lassen kann. Mit dem nPA ja alles kein Problem mehr und wird auch noch fertig gebacken dem “Kunden” in naher Zukunft aufgezwungen. Man kann ja dann ohne nPA die tollen Funktionen nicht nutzen und auch nicht mehr “sicher” einkaufen.
Kritik gab es zudem viel – besonders im Zusammenhang mit dem durch die Bundesregierung erworbenen Sicherheitskits, die gratis unters Volk geworfen werden sollten. Speziell diese haben ein eklatantes Sicherheitsproblem, da die 6-stellige PIN via Computer-Tastatur eingegeben werden muss. Der CCC hatte hierzu Sicherheitsmängel aufgezeigt, weil es dadurch mit einfachen Mitteln möglich ist, die PIN bei Eingabe auf dem Computer auszulesen und diese gar automatisiert durch ein Schadprogramm zu nutzen. Ich denke der letzte Satz ist genau der ausschlaggebende Punkt:
Mitlesen der PIN und automatisierte Legitimation
Wohl bemerkt: das alles, wenn der nPA in der Nähe des Lesegerätes sich befindet.
Nun gibt es auf der FAZ seit gestern ein “tolles” Interview mit der IT-Beauftragten der Bundesregierung Cornelia Rogall-Grothe. Dieses Interview zeigt, dass man keine Juristen in die Position des Bundes-CIO hieven sollte. So oft kann man sich nicht an die Stirn schlagen, wie man eigentlich gern wollte (#facepalm).
Aber beginnen wir von vorn … Weiter lesen …