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VDS für das Straßennetz?

Der Ende Januar stattfindende Deutsche Verkehrsgerichtstag will sich mit etwas Tollem beschäftigen: Section Control. Das ist eine Geschwindigkeitsüberwachung, bei der jeder “bestraft” wird, dessen Durchschnittsgeschwindigkeit innerhalb eines Straßenabschnittes höher ist, als erlaubt. (Bericht von Heise)

Hierzu wird beim “Betreten” der Sektion ein Foto mit Zeitstempel des Fahrzeuges (ggfs. auch des Fahrers) erzeugt und nach Verlassen ebenso. Das Kennzeichen des Fahrzeuges (anders macht es keinen Sinn, wenn es automatisiert ablaufen soll/muss) wird aus dem Foto entnommen, damit die Zuordnung des Startbildes mit dem Endbild und deren jeweiligen Zeitstempel möglich ist. Die Zeitwerte werden verglichen und mit der festen Entfernung in eine Formel gebracht, womit die Durchschnittsgeschwindigkeit errechnet wird. Liegt sie dann über dem dortigen festgelegten Limit, dann gibt es ein Knöllchen.

Klingt toll? Es wird noch besser. Die erfassten Bilddaten des Fahrzeuges und des Fahrers werden unabhängig eines Verstoßes aufgenommen und ausgewertet und dies entspricht somit dem Faktum der VDS (Vorratsdatenspeicherung), wonach sämtliche Informationen verdachtslos gesammelt und gespeichert werden, um damit später (hier beim Verlassen) eine mögliche Ordnungswidrigkeit bzw. Straftat zu ermitteln.

Gerechtfertigt wird mitunter diese Verfahrensweise mit Hilfe der gesetzlich eingeführten VDS – wobei, wie nicht nur ich, sondern auch viele Rechtswissenschaftler, Bürgerrechtler, der Meinung sind, dass die VDS grundgesetzwidrig ist. Denn thematisch ist diese Methode des Section Control mit dem KFZ-Kennzeichen Scannung verwandt, welche bereits als verfassungswidrig beurteilt wurde.

Nicht auszudenken, was man mit solch einem Instrument erst noch machen könnte, sobald es eingeführt werden sollte, denn wir alle sollten wissen, dass das Wort Zweckbindung später an jeden Zweck gebunden werden kann. Die Begehrlichkeiten und Anfragen kommen definitiv, so wie sie bei der Mautdaten-Erfassung kamen und kommen. Die Leute versuchen es aber auch wirklich an fast jeder erdenklichen Stelle …

Die Frage nun geht vornehmlich an die VDS-Befürworter: Würdet ihr so etwas billigen, egal, ob ihr eine reine Weste in Flensburg habt wie ich, oder nicht? Wenn ja, was versprecht ihr euch davon? Mich würde das mal brennend interessieren.

PS.: Habt ihr schon einmal genau den vor euch fahrenden Verkehr beim Durchfahren einer Mautbrücke beobachtet? Ungeachtet dessen, ob dort ein LKW fährt oder nicht? Mir ist ein seltsames Flackern an den Kästen in den letzten Wochen, wie auch heute bei der Hin- und Rückfahrt zu/von meinen Eltern aufgefallen, als Fahrzeuge in der jeweiligen Spur vor mir (links, mitte oder rechts) und mich eingeschlossen darunter durchgefahren sind. Für eine Sonnenreflektion eher unwahrscheinlich (keine da) und Lichter von Fahrzeugen waren ebenfalls nicht vorhanden. Ich kann mich täuschen, aber seltsam war es jedenfalls … komme ich jetzt zu Toll Collect?

Gegen uns mit unseren Steuergeldern …

Vehement klingelt es in den Ohren und der Ruf nach “MEHR” gegen KiPo und Terroristen wird lauter. Bürgerrechtler, Datenschützer und Kritiker werden zur Achse des Bösen gezählt, als Lügner und Aufrührer abgestempelt. Nur mit “MEHR” Überwachung kann man, laut Ansicht des BKA und der Regierung, den stetigen Drang nach KiPo und Selbstmord- und Terrorattentaten verhindern.

Immer das Gleiche, keine Diskussion bezüglich der kritischen Stimmen, keine tiefergreifende Erklärung der sonst erzählsüchtigen Politiker. Wieso nicht? Weil sie keine Argumente haben, und das wird langsam immer deutlicher. Erst waren es die Terroristen, dann Raubkopierer, gefolgt von Mördern und Straftätern und dann KiPo. Und weil das allein nicht half, sind sie jetzt bei Terror und KiPo – also Terrorporno. Am Besten noch “Raubkopiererkinderschänderterroristenmörder” – in Ansätzen kam es bereits, aber lange wird es nicht mehr dauern, bis das in einem Atemzug als Argumentation kommt.

Es ist interessant zu sehen, wie Hr. Ziercke damals von “einer handvoll Fälle” und Gefährder sprach und, obwohl das Gesetz noch nicht unterschrieben wurde, jetzt schon weitere Verschärfungen und Befugnisse fordert. Fällt das Keinem auf? Von “einer Handvoll” will er anscheinend nichts mehr wissen, sondern “ein breites Panorama polizeilicher Aktivitäten” wird präsentiert, wofür auf einmal die baldigen und die geforderten Befugnisse (mehr IP-Speicherung) benötigt werden.

Es wird ebenso verglichen mit den Zensur- und Filtermaßnahmen in Norwegen. Angeblich laut Hr. Ziercke werden täglich über 15.000 Zugriffe auf KiPo-Seiten registriert. Und jetzt frage ich völlig unbefangen:

Wieso sind diese dann noch nicht offline und die Drahtzieher im Knast?

Weil das so schwierig ist? Weil es einfacher ist, die Konsumenten zu bestrafen? Wo keine Ware, da auch kein Markt – so war das doch mit der Marktwirtschaft, oder? Netzsperren verhindern KiPo ebenso wenig und sind nur Pseudo-Augenwischerei. Ob das Bild angesehen wurde oder nicht, ändert nichts an der Tat als Solche. Das Kind wurde missbraucht und diese Sache ist und bleibt schlimm. Es ist letztendlich nichts Anderes, als wenn ich einen Vorhang vor den laufenden Fernseher ziehe. Die Sendung läuft weiter, aber ich sehe es nicht. Sollte das jemand anders sehen, möge er sich bitte melden und mir das Gegenteil aufzeigen.

Genauso gut kann man bezüglich der “gefordertem Wirksamkeit der Gefahrenabwehr” auch sagen, dass jeder vorsorglich erschossen werden soll, damit der ja nie im Leben eine Straftat begehen kann. Flaches Argument? Zumindest macht man es hier (noch) nicht – obwohl ja das Abschießen von Flugzeugen schon in aller Munde war. Dennoch fehlen anscheinend bei vielen Amtsstuben und Behörden Begriffe aus dem Duden, wie Verhältnismäßigkeit, Unschuldsvermutung, mündiger Bürger, Datenschutz, Privatsphäre. Das sind mitunter Grundwerte unserer Demokratie und Gesellschaft und werden nach und nach, ohne dass es der Großteil merkt, abgeschafft.

Ich hatte es schon Monate vorher geschrieben: niemand ist perfekt und schwarze Schafe gibt es überall und wir sollten alle Kommunikationsdaten nicht “bereitwillig” und ohne Widerworte herausgeben, denn vertraut man den Leuten dort zu 100%? Das kann man eben nicht, da per Gesetzesentwürfe fast alles der gesammelten Daten gegen einen verwendet werden kann. Sie dürfen suchen und Zufallsfunde ebenso verwerten – und sie werden suchen, wenn sie das Eigentliche nicht finden sollten. Mit Sicherheit – so etwas nennt man Erfolgsdruck und wer nichts zu verbergen hat, der werfe jetzt den ersten Stein.

Gesprächs- und Kommunikationsdaten werden miteinander verknüpft und das über Monate und Jahre hinweg (wer glaubt schon daran, dass die Daten gelöscht werden – macht ja Payback auch nicht), ganze Beziehungsnetzwerke und Profile zwischen und über den/die Menschen können aufgebaut werden und das ist selbst für die heutige Rechentechnik eher ein Klacks. Ich kann es nur betonen: Schon einmal gesehen, was man schon mit gut angelegten 5 Tabellen in einer Datenbank für Informationen und Beziehungen aufbauen und herausfiltern kann? Ich sehe das jeden Tag mit Hilfe der Datenbank für eine Zeiterfassung, an dessen Entwicklung ich zur Zeit beschäftigt bin. Und das ist nur ein gaaaaanz kleines Projekt mit sehr wenigen Daten. Wir reden hier über Daten von mitunter über 80 Millionen Bürgern – pro Person mindestens ein Eintrag pro Tag.

Es wird noch nicht Lieschen oder Müller sein, aber früher oder später fällt man allein durch das Beziehungsnetzwerk ins Raster. Auffällige Anrufe oder Mails – vielleicht etwas zu viel Spam bezüglich KiPo oder Raubkopien erhalten? Nicht beherrschte Popups, welche “belastende” Bilder auf den Rechner in den Browser Cache laden (Prefetching) auch ohne explizites Zutun? Zu stark politisch oder gesellschaftlich engagiert? Vielleicht ein Bürgerrechtler oder Datenschützer? Einem Überwachten vielleicht Geld überwiesen (bewusst oder durch Zahlendreher)? Jemandem auf die Füße getreten und sei es nur Jemand der Jemanden kennt, der aber noch eine Schuld zu begleichen und die nötigen Mittel hat? Als Journalist das Falsche ausgegraben? Durch Falsch-Adressierung sensible oder unter Strafe stehende Daten erhalten? Unwahrscheinlich? Ich lass mich gern über die Zeit eines besseren Belehren …

Spätestens seit heute sollte man sehen, dass selbst Polizisten böse sein können. Es hilft nicht die Effekte und Resultate zu verschleiern bzw. einzudämmen. Nicht nur ich, sondern auch andere, sind der Meinung, dass man das Problem an der Wurzel anpacken muss. Das Internet ist nur ein Medium – die, die das Übel produzieren sind in der “realen” Welt zu Hause. Alles, was die Polizeien bisher geleistet und entdeckt haben, das haben sie ohne diese Machtinstrumente erreicht. Also heißt es Sumpf austrocknen – Polizei aufstocken und schulen und Präsenz inkl. Aufklärung (auf)zeigen und mit üblichen Ermittlungsmethoden die Leute dingfest machen. Das ganze Geld für diesen “Überwachungsapparat” sollte genau in letztere Dinge gesteckt werden – dann klappt das auch. Aber nein: stattdessen wollen sie die massiv bürgerlich einschneidende aber einfachere Variante, damit ein besserer Eindruck in den Ledersesseln zurückbleibt. Bösewichter fängt man nicht mittels Mausklick!

Ich betone es noch einmal: die, die sie angeblich drankriegen wollen, werden sie nicht drankriegen. Unzählige Kommunikationswege (Papier, TV und Radio (versteckte Botschaften), Paket, Brieftaube) stehen ebenso zur Verfügung, wie Verschlüsselungstechniken jeglicher Art. Ebenso wären beliebige Ziele/Opfer möglich und somit ist der Versuch einer Überwachung völlig ungeeignet, uns vor den bösen Menschen zu schützen. Die Überwachung hilft auch in keinster Weise vor Missbrauch, Morden, Diebstahl oder Terrorismus. Dahingehend ist der massive Eingriff in die Rechte der informationellen Selbstbestimmung absolut nicht zu rechtfertigen.

VDS und die Aufrüstung des BKA, was in meinen Augen nicht die Effektivität erzeugt, die propagiert wird, zahlen wir alle mit unseren Steuergeldern. Und weil es “noch” nicht so effektiv ist, werden mit Sicherheit noch mehr Forderungen und Einschitte in unsere Freiheit zum Wohle der Sicherheit laut. Es wird nicht heute oder morgen, aber vielleicht schon übermorgen gegen uns gerichtet sein …

“Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erlangen, wird am Ende beides verlieren ….”

Über den Tellerand Nr. 2

  1. Die SPD hat ihren langjährigen Datenschutzexperten Jörg Tauss gekündigt. Er ist einer der bekanntesten und in meinen Augen angesehensten Politiker im Bereich Datenschutz und einer der Wenigen, die ihrer Überzeugung und nicht dem Fraktionszwang bei den großen und wichtigen Abstimmungen nachgegangen ist.
    Er ist einer derjenigen, die gegen das BKA-Gesetz gestimmt und offen ihre Bedenken zu den immer weiter fortschreitenden “Überwachungs-” und Datensammelwahnsinn kund getan haben.
    Seit Nachfolger wird ein Herr Dr. Bürsch – und wer sich mal seine Arbeiten und Meinungen ansieht, der wird sehen, dass von dieser Seite mit Sicherheit nichts Gutes im Bereich Datenschutz erwartet werden kann.
    Positiver bleibender Eindruck beim Bürger sieht anders aus, liebe SPD. Es ist jedenfalls nicht dass, was zurückbleibt, wenn ihr aus euren Ledersesseln aufsteht. Ich denke, dass da noch einige Reaktionen kommen werden. Weiterführende Kommentare und Meinungen sind beim Datenschutzbeauftragten-Online und hier zu finden.
  2. Versteckt unter vielen anderen Themen, wurde von der Bundesregierung die freiwillige VDS abgenickt. Damit wird den Telekommunikationsanbietern erlaubt, eigenständig Kommunikationsdaten jeglicher Art zu speichern – und das unbefristet ohne maximaler Dauer. Durch diesen Beschluss werden Kontrollrechte von Datenschutzbeauftragten geschwächt, die Benachrichtungspflichten an Betroffene wurden auch zusammengestrichen. Von weiteren daraus resultierenden Problemen und Möglichkeiten möchte ich gar nicht erst sprechen. Der besagte Daten-Tsunami der uns überrollen und gläsern machen wird ist enorm.
    Ich glaube, ich werde auf Grund dessen den TK-Anbieter wechseln. Eine vorzeitige Vertragskündigung sollte definitiv drin sein, wenn der derzeitige Anbieter so etwas einführen will. Ich habe kein Problem damit mich neu zu orientieren ...  
  3. Es ist nicht immer dass, was man zu sehen und hören bekommt. Interessant, was Fefe zum Thema pöse Terroristen in Mumbai gefunden hat – ebenso hatte er vorher bereits seine Gedanken zum Besten gegeben. Sicherlich rein zufällig und nicht beabsichtigt, seitens der beteiligten Parteien …
  4. Seltsam, wo so alles aus “Sicherheitsgründen abgehört und gefilmt wird. Aber ein Nachspiel wird das mit Sicherheit nicht geben, aber es zeigt deutlich, wo das alles hinführen wird. Es wird zum Alltag und da es schleichend kommt, merkt es auch der Großteil nicht, bis es zu spät ist.