Mal ehrlich – wenn ich sowas lese, und das nur mit dem “bisschen” Wissensstand über Kryptografie, dann wird mir irgendwie schlecht!
Leute ohne Ahnung wollen Leuten ohne Vertrauen Dinge ohne Wert andrehen?
Weil es für den gemeinen Bürger zu kompliziert wäre, eigene Schlüssel zB. mittels OpenPGP zu verwalten, schickt man dann die “vertrauliche” Mail via dem Provider Web.de, GMX oder GMail, welcher diese für mich (!) signiert, verschlüsselt und weiterleitet?
Da verringert sich ja der Aufwand der Vorratsdatenspeicherung und die Arbeit des BKA deutlich!
Den Code für den Safe oder die PIN/TAN zum Bankkonto lasse ich doch auch nicht bei wildfremden Leuten liegen. Und wenn Provider für mich das Ganze signieren sollen, dann haben diese auch meinen privaten Schlüssel in ihren Händen. Was soll das? Damit könnte ja jeder, der dort Zugriff hat (ja ich weiß, offiziell hat das ja keiner – wie bei der Telekom) mit Hilfe des Schlüssels sonstwas anstellen.
Die Oberhärte ist aber, dass die zugestellte elektronische De-Mail genauso rechtsverbindlich ist, wie ein Brief im Briefkasten. Das heißt, wenn ich die Mails nicht täglich abrufe, kann ich Ablauf- oder Widerrufsfristen verpassen.
Während des Urlaubes kann jemand meinen Briefkasten stellvertretend leeren und mich informieren. Wie sieht es bei der De-Mail aus?
Was ist mit dem De-Mail Client, der eingesetzt werden soll/muss? Welche Betriebssysteme wird dieser unterstützen? Wird das Programm Closed Source sein, wegen des Urheberrechts? Was wird da installiert? Natürlich rein zufällig vielleicht ein Rootkit nur zur Absicherung des Rechners – auf keinen Fall kein Bundestrojaner – ehrlich, Indianerehrenwort! Wie soll man das kontrollieren, wenn man nicht weiß, wie es funktioniert und darüber nicht gesprochen werden darf, da man sich sonst gemäß Hackerparagraphen strafbar macht?
Für so etwas braucht man Vertrauen! Vertrauen im Gegenüber! Vertrauen ins System! Und der Staat hat sich definitiv das Vertrauen mehrfach verspielt – zumindest bei mir, wie auch vielen anderen, die der ganzen BKA-Novelle, Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung usw. kritisch gegenüber stehen. Und dieses Vertrauen ist sehr schwer wieder gut zu machen.
Weniger Spam soll das Ganze bringen? Das wäre heute schon Realität mittels SpamAssassin und Co., dafür bringt es aber mehrere Millionen neue und garantiert echte Mailadressen zu Tage für die Spammer. Wie? Datenschutzbedenken bezüglich Lesebestätigung? Das ich nicht lache. Wieso? jedenfalls nicht, weil die Argumentation absurd wäre, sondern wegen der Kombination Innenministerium (BKA-Gesetz, fehlendem Datenschutz im Grundgesetz usw) und Datenschutz als Solches!
Wozu also was Neues, wenn es schon Sicheres und Bewährtes seit Langem gibt? Vielleicht sollte man erst einmal die Staatsdiener schulen, wie sie überhaupt mit der Materie umzugehen haben. Sonst wird das eh nichts!
Und von wegen Papierpost vertraulich und sicher – Polen fängt damit bereits an und die Technik kommt von deutschen Firmen. Ein Schelm, wer …