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Kollateraler Mord

Gestern machte bereits das Video “Collateral Murder“, veröffentlicht durch Wikileaks, in seiner Kurz- (hier ca. 17 Minuten) und Langfassung (ca. 38 Minuten) die Runde, letzteres (lange Fassung) zeigt den Einsatz von Hellfires auf ein Gebäude, wo mitunter auch Passanten davor ihr “Unwesen” treiben und anscheinend im Weg stehen. Ich habe es mir bereits gestern angesehen und war schockiert, wie auch sprachlos. Wie man Teleobjektive von Kameras für RPGs halten kann und dieses auch noch unentwegt via Funk weiter bestätigt, ist mir ein Rätsel. Ebenso, wie man behaupten kann, dass aus dem “ersten” Kampf Überlebende sich in ein anderes Gebäude verschanzt haben, wenn bereits alle vorher von den Helikoptern nieder gestreckt wurden … und das selbst Kinder mit angeschossen werden, die im Fahrzeug sitzen, welches die Überlebenden wegschaffen sollte (und selbst dieser einfach beschossen wird) zeugt von der Qualität der “Kriegsführung” … aber seht selbst!

Die Kommentare via Funk zeigen zusätzlich auf, was für Leute dort am Abzug sitzen. Für mich persönlich ist das Mord – eiskalt. Für Besucher mit schwachen Nerven ist das nichts – also bitte nicht mit vollem Magen ansehen und es ist für Personen unter 18 Jahren völlig ungeeignet.

PS: Wie es auch im Text des Videos zu lesen ist, sind mehrere Fotographen und Journalisten während der Berichterstattung gestorben. Und wenn ich mir ein derartiges Verhalten ansehe, dann kann ich mir mitunter auch den Bombenangriff in Afghanistan bildlich vorstellen, wie der abgelaufen sein kann.

Update: Hausdurchsuchung und der Bundestag

Zeitlich toll kohärent sind von gestern zu heute mehr als bescheidene Informationen publik geworden. Zum Einen wurde der Inhaber der Domain wikileaks.de (wohlbemerkt Inhaber, aber nicht inhaltlich Verantwortliche) mit einer Hausdurchsuchung wegen angeblicher “Verbreitung kinderpornographischer Schriften” gesegnet. Wikileaks gilt als eine der journalistischen Quellen (mitunter gibt es aber auch Dokumente, wo die Echtheit manchmal angezweifelt werden kann), die mitunter mit anonym zugespielten Dokumenten, unter anderem auch die ach so toll funktionierenden Sperrlisten bezüglich KiPo, an die Öffentlichkeit gehen (diese scheinen aber nach offiziellen Aussagen echt zu sein) . Wikileaks hatte dadurch mitunter mehr als einmal veröffentlicht, dass KiPo-Inhalte auf den Listen bei unter 4% liegen – der Rest ist legaler Inhalt.

Die Hausdurchsuchung war mehr als eine Farce und allein das Protokoll weißt mehr als nur einen Fehler und weit aus mehr Fragen auf. Parallel dazu fand/findet heute die Diskussion über KiPo-Sperren im Bundestag statt und man sieht mal wieder die Kompetenz der Beteiligten auf vollstem Umfang durch die Aussagen und Taten bestätigt.

Wenn ich dann lese, dass angeblich 400000 Klicks pro Tag von deutschen Internetnusern auf KiPo geklickt wird, dann kann ich das nicht glauben. Das hieße ja, dass ein großer Teil der Internetuser in Deutschland derartig pädophil wäre, dass ich hier umringt wäre. Das wäre ja jeder 20. oder 30. in meinem Umfeld, wenn ich das auf die Internetnutzer hier hochrechnen würde … woher kommen diese Zahlen? Und wenn es so viele angeblich sind, wieso bin ich noch NIE über derartige Seiten gestolpert – und ich bin seit 1995 im Netz unterwegs …..

Der Prof. Andreas Pfitzmann von der TU Dresden, dessen Kommentar ich heute auf radio1 hören durfte, sagt es zumindest so, wie es auch für mich und andere scheint (MP3).

Frau Zypries, die sich ja die letzten Tage mehr als einmal gedreht und sich verweigert hat, spricht sich endlich mal öffentlich aus, was wirklich gewollt ist:

Wie können wir verhindern, dass deutsche Internetbenutzer auf ausländische Seiten gehen.

Freudscher Versprecher? Wer weiß – letztendlich glaube ich, wie auch andere im Umfeld und Bekanntenkreis, dass es nicht bei KiPo bleiben wird, damit die technisch nicht so versierten Internetnutzer weitaus mehr Inhalte vorenthalten werden … sprich Zensur, denn die ersten Anfragen kamen bereits: Forderung von Sperrung von Gewalt, Glücksspielseiten und “islamistische” Seiten. Wie lange das dauern wird, bis die Haltung gegen eine Sperrung anderweitiger Seiten sich umkehren wird, ist nur eine Frage von wenigen Monaten. Das Instrument ist dann da, also muss es dann auch genutzt werden.

Der Staat hat die Verpflichtung, das Verbot von Kinderpornografie nicht nur strafrechtlich, sondern auch präventiv und medientechnisch durchzusetzen

Forderungen, wie diese, sind mehr als gefährlich, denn das bedeutet, dass wir uns vom Rechtstaat weg zum Präventionsstaat bewegen. Wer das unbedingt will, der kann gleich die Zeitmaschine gen 1933 nehmen. Die Vergleiche sind sehr wohl angebracht, denn eben ähnlich wurden damals auch Gesetze für Präventionsmaßnahmen durchgedrückt – nur waren es damals keine KiPo oder Islamisten, sondern Juden und Andersdenkende (mitunter Schwule, Gläubige usw.).

Wie trotz knallharter Faktenlage die Bevölkerung zum Narren gehalten wird, zeigt Mr. Europol persönlich:

Es geht um den schlichten Warnhinweis an Internet-Nutzer, dass eine aufgerufene Seite kinderpornografische Bilder oder Filme enthält. Das hat mit Zensur das Internets nun wirklich nichts zu tun.” Die Erfahrungen im Ausland seien durchweg positiv: Ihm sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein unbescholtener Anbieter blockiert worden sei. Zum Einwand, eine Sperre ließe sich technisch leicht umgehen, sagte Ratzel: “Bei der großen Mehrzahl der Kinderporno-Konsumenten handelt es sich nicht um technische Experten, die eine Seiten-Sperre ohne Weiteres knacken können.

Vollkommen falsch: Die Erfahrung zeigt, zum Beispiel in Hinblick auf die Sperrlisten Australiens oder Skandinavien, dass sehr wohl unbescholtene Anbieter blockiert wurden – ebenso jene, die politisch aktiv gegen diese Listen sind. Ein spezieller Fall in Australien, ein Zahnarzt, dessen Seite blockiert wurde, ist mehr als deutlich bekannt geworden. Sein Webserver – besser seine Domain und Präsenz – wurde vor Jahren gekapert und der Platz zur Ablage von KiPo bzw. anderen pornograhischen Materials missbraucht. Dennoch befand er sich bis heute auf der Sperrliste. Ebenso ist eine Umgehung solcher Sperren sehr leicht möglich. Man muss nur Jemanden fragen, der sich damit auskennt …

Ich will die ganzen Fragen nicht noch einmal verfassen, aber ein Forumsteilnehmer im Heise-Forum hat es mehr als treffend formuliert. Diese Fragen, die er aufwirft, sollte sich wirklich jeder zu Herzen nehmen und versuchen zu beantworten, denn erst dann kann man in meinen Augen darüber nachdenken, Sperren und Zensur einzuführen. Aber es klickt ja eh keiner und liest sich das durch.

Update: Die Passage hatte ich doch glatt überlesen:

Wenn man es wirklich will, kann man sehr zügig eine Regelung finden. Ich bin da sehr zuversichtlich. Die Vorarbeiten sind gemacht.

Und wo bleiben die Gesetze und Regelungen für und nicht gegen den Bürger? Achso …. das will man ja nicht …

Update: BND droht Wikileaks

Wikileaks, welche sich auf die Fahne geschrieben haben, Informanten die Möglichkeit zu geben, brisante und mitunter geheime Informationen und Dokumente auf sichere Art und Weise zu veröffentlichen, werden laut der Meldung von Fefe und Wikileaks selbst vom BND bedroht.

Ich weiß zwar nicht, welche Handhabe der BND gegen einen weltweit agierenden Verein hat, dennoch macht mich es stutzig, dass alle Informationen und Dokumente über und vom BND entfernt werden sollen – besonders diejenigen, über die BND Mitarbeiter, die im Kosovo gefangen genommen wurden (Verdacht auf Anschlag).

The spy chief claims to have already engaged the BND’s legal machinery.
Last month an international scandal broke out after three BND secret agents were arrested and deported from Kosovo after photographing a recently bombed building in Kristina. The agents were accused of being behind the attack and their note books and electronic files seized by the notoriously corrupt Kosovo government.

The BND threats, made by President Ernst Uhrlau, were triggered by the Wikileaks publication of an article by Tom Burghardt, a US journalist, on the BND’s bungled Kosovo operation, together with a classified BND dossier on senior Kosovo figures from 2005–both of which were specifically named by Mr. Uhrlau.

Interessant wird Folgendes:

The BND, like the CIA, is forbidden by law to engage in domestic activities. Yet the threats, which were made in German as well as in English, hold no legal power outside of Germany. They must be assumed to be an attempt to engage Wikileaks via its German component–or does Mr. Uhrlau suggest it is now BND policy to kidnap foreign journalists and try them before German courts?

Clearly the BND has learned nothing from the 2006 “Schaefer report” of the Bundestag which condemned illegal BND attempts to influence the German press. Indeed, an unredacted portion of the Schaefer report, which refers to BND attempts to influence Germany’s Focus magazine, is one of the “files or reports related to the BND” released by Wikileaks.

Und wer es etwas genauer und auf deutsch haben möchte, der kann sich hier etwas belesen und seine Lesestunde weiter fortsetzen. Es werden dort mitunter die “schönsten” Schnitzer dieses Geheimdienstes aufgelistet (zB. der Schäfer-Bericht, BND klagt gegen das Internet usw.). Ich frage mich immer mehr, was für Menschen in diesen, wie auch den anderen “Vereinen” arbeiten … *kopfschüttel*

Update: Durch Trackbacks & Pingbacks bin ich noch auf folgende interessante Seite inkl. Beitrag gekommen. Schon erstaunlich und kriminell erscheinend, was der BND sich die ganzen Jahre geleistet hat. Es lohnt sich, Radio Utopie zu durchstöbern …