„Anonymisierte“ DNA-Profile und deren Weitergabe

Großbritannien ist Vorreiter. Vorreiter bei elektronischen Vorhaben und bei Datenspeicherungen jeglicher Art.

Dass Daten missbraucht werden können, weiss heutzutage fast jeder – aber anscheinend Regierungen nicht bzw. sie wollen es nicht wissen. Denn anders kann ich es mir nicht erklären, dass nichts gegen verschwundene Laptops, Daten-CDs oder Daten-DVDs getan wird und massenweise, teilweise sogar hochbrisante oder datenschutzrelevante Informationen einfach flöten gehen.

Dass es nicht immer nur aus Fahrlässigkeit passiert, sondern auch mit aktiver Hilfe, zeigt die erst k?rzlich erschienene Meldung bei Heise. Auf Anfrage, und nat?rlich auch gegen Bezahlung, wurde zu „wissenschaftlichen“ Zwecken die DNA-Daten von ?ber 4 Millionen Personen zur Verf?gung gestellt. Es wurde nat?rlich versichert, dass die Daten anonymisiert wurden.

Wie eine Anonymisierung bei DNA Daten erfolgen soll, ist mir mehr als schleierhaft. Wieso mitunter DNA-Profile von nicht (mehr) Verdächtigen und Kindern (1,8 Millionen) darin enthalten waren ist f?r mich nicht mal mehr schleierhaft, sondern schon kriminell. Das Schlimmste ist, dass die Informationen, die mich und andere ausmachen, wer wir sind, wie wir aussehen – unser genetischer Code, der nur uns allein gehört, einfach anderen zur Verf?gung gestellt werden. Und da ist es mir egal, ob man damit mehr Straftäter fassen oder die Welt vereinheitlichen und besser machen könnte. Fällt das Herausgeben nicht unter Strafe, da es gegen bestimmte Grundrechte (national, wie auch EU weit) verstößt? Die W?rde des Menschen ist unantastbar ….

Ich wäre auch daf?r die DNA eines Jeden unter das Urheberrecht eines Jeden zu stellen.

 

… hatte dieses Unternehmen mit den Daten versucht, eine ethnische Profilierung zu entwickeln …

Wie bitte schön kann man mit anonymisierten Daten eine „ethnische“ Profilierung realisieren. Kann mir das bitte einer mal erklären? Ich verstehe da anscheinend einiges nicht. Schlimm, dass ?berhaupt Forschungen betrieben werden, dass man auf Grundlage von Gen-Daten ethnische Zugehörigkeiten feststellen will. Und wie soll – wenn anonymisiert – festgestellt werden, dass diese DNA einer spezifischen „ethnischen“ Gruppe zugeordnet werden kann, wenn ich nicht weiß (da angeblich anonymisiert) ob die Person es auch ist. Oder denke ich einfach nur falsch?

… Orchid hatte die gesamten Daten auf einer DVD bekommen und sie ein Jahr behalten. …

Die DVD kann man kopieren und wieder zur?ckgeben. Was letztendlich mit den Daten ist, wo die verblieben sind und welchem Zweck sie nach der Datenträger R?ckgabe zugeordnet werden, kann nat?rlich keiner mehr nachvollziehen.

Ich weiß, ich neige gern zur Übertreibung, aber ich finde nur mit Übertreibungen kann man den großen Teil des unter Wasser befindlichen Eisberges erkennen: ein derartiger Zugriff wäre ein Traum f?r Firmen, Versicherungen und Krankenkassen.

Sehr geehrter Herr P.,
es tut uns leid Ihnen mitteilen zu m?ssen, dass auf Grund des Abgleiches mit Ihrem DNA-Profils wir Sie nicht mehr zu den preisg?nstigen Konditionen versichern können. Es wurde anhand Ihrer DNA festgestellt, dass Sie zur Risikogruppe der Herzinfarkt- und Fettleibigkeitleidenden gehören. Laut Analyse erleiden Sie zu 96% mit 45 Jahren einen Herzinfarkt. Anbei erhalten Sie die neuen, preislich nach oben angepassten Konditionen, die Ihrer Neigung nach Fettleibig-Infarkt-keit gerecht wird. Sollten Sie dieses Angebot nicht annehmen, sehen wir uns gezwungen einen Strafantrag wegen Versicherungsbetruges einzuleiten, da Sie Ihrer Pflicht der Unterrichtung unsererseits bez?glich Ihres Risikos nicht nachgekommen sind. Wir behalten uns ebenfalls vor die gespeicherten und gewonnenen Daten unseren Partnern und anderen Versicherungen zu teilen.
Mit freundlichen Gr?ßen,
Versicherung X, Abteilung Y.
PS: Bei tiefergehender Analyse ist uns aufgefallen, dass Ihre Kinder ebenfalls Risiken aus erbtechnischen Gr?nden teilen. Zusätzlich besteht eine 91,2%ige Wahrscheinlichkeit auf gr?nen Star und eine 74,2%ige Wahrscheinlichkeit auf Multiple Sklerose. In den nächsten Tagen bekommen Sie f?r die neue Kosteneinschätzung ein konkretes Angebot zur Vorsorge Ihrer Kinder. Sie verstehen sicherlich, dass wir auf Grund der Risiken nicht in der Lage sind Ihre Kinder unter Ihrem Kundenkonto mitzuversichern.

Ähnliches kann man leicht in Richtung Arbeitgeber modifizieren. Eine Arbeitsstelle gäbe es nur bei geringem Risiko einer chronischen Krankheit oder eines gesundheitlichen Leidens.

Spinnereien? Wer weiß – es ist aber erschreckend, wenn man sich einfach mal dar?ber Gedanken macht.

Was? Bei uns in Deutschland w?rde so etwas nicht vorkommen? Warten wir es ab. Mit den Fingerabdr?cken von Unschuldigen geht es ja schon los (ePass, ePerso). Wenn nicht heute oder morgen, vielleicht in 20 oder 30 Jahren. Ich lasse mich gern ?berraschen, und glaube noch an das Gute in den meisten Menschen … und Blutspenden werde ich vorerst nicht mehr. Weiß ich, was mit einem Teil von 0,5 Liter Blut gemacht wird?

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