Tatort Internet?

In der Anonymität der virtuellen Welt w?rden die Menschen völlig hemmungslos.

Man könnte auch sagen: Sobald man Immunität genießt oder Innenminister geworden ist, werden einige Menschen hemmungslos. Naja – „Spaß“ beiseite, denn das driftet vom eigentlichen Thema ab. 

Man muss nur an diese entsetzlichen Abscheulichkeiten der Kinderpornografie denken. Die Menschen können sich das Internet als Tatort zu Nutze machen. Die Sicherheit in der Informationsgesellschaft ist allgemein eine große Herausforderung.

Wie oft muss man dem Hr. Schäuble und anderen das sagen: das Internet ist kein Tatort, sondern ein Medium. KiPo wurde schon vor Jahrtausenden praktiziert – da waren die Ägypter, Griechen oder Römer nicht besser, als später einige/viele Priester oder Pfarrer (mit Anspielung auf „C“DU – christlich). Es wird immer KiPo geben (leider, da wir das nie zu 100% verhindern können), genauso, wie es Diebstahl, Schlägereien, Kriege oder Sonstiges geben wird. Nicht das Internet oder die Kamera missbraucht Kinder – es sind Menschen. Nicht im Internet werden diese missbraucht, sondern in der Realität. Wer sich solche Spr?che glaubhaft aufbinden lässt, der ist selbst schuld, wenn ihm erst viel später die Erkenntnis erleuchten wird – wenn es zu spät ist.

Dass hier mal wieder das Internet f?r alles Üble in der Welt hergezogen wird, ist mal wieder nachvollziehbar. Ebenso wurde damals das Papier, die Dampfmaschine (Arbeitslosigkeit), das Radio, das Fernsehen (XXX- und Gewalt-Videos, Verdummung), Computer (Gewaltspiele) und andere Dinge als Mittel zum Zweck missbraucht – und heute muss eben das Internet herhalten, wie alle technischen Errungenschaften davor. Ob nun das Internet an solchen krankhaften Fantasien und Machenschaften Schuld ist, die bereits Jahrtausende existieren? Ob das Internet am Terrorismus Schuld ist? Wohl kaum. Es ist ein Medium des Transportes, so wie es der Brief oder das Paket ist.

Das heißt aber nicht, dass wir alle es bef?rworten w?rden, wenn wirklich sämtliche Briefe und Pakete geöffnet werden, oder? Nein? Wieso sollte dann jegliche Kommunikation im Internet verfolg- und lesbar f?r die Behörden sein? Wieso also soll das BKA dies dann tun d?rfen? Wieso soll das BKA oder das LKA nach Terroristen fahnden? Das ist die Aufgabe des BND oder des Verfassungsschutzes und nicht der Polizei. Will der Verfassungsschutz sich hier zur Hure der Polizei degradieren lassen?

Die Sicherheit in der Informationsgesellschaft ist wichtig und eine große Herausforderung – soweit stimme ich Hr. Schäuble zu. Nur, was an Gesetzen die letzten Jahre beschlossen und von ihm auf den Weg gebracht wurde, untergräbt massiv die Sicherheit in der Informationsgesellschaft. In Deutschland ist das „Hacken“ und das Nutzen von Hacker-Tools verboten – wie schön, dass man somit nicht ?berpr?fen kann/darf, ob seine Daten, der Rechner, das Netzwerk usw. „sicher“ sind oder nicht. Und es wird nicht lange dauern, bis bestimmte Verschl?sselungsprogramme oder Algorithmen verboten werden, damit die Polizeien auch noch was von den eigentlichen Daten nach Jahren der Entschl?sselung lesen könne. Spätestens dann sollte es jedem auffallen.

Wir haben sorgfältig gearbeitet, und ich habe gar keinen Zweifel daran, dass das BKA-Gesetz der Verfassung zu hundert Prozent entspricht.

Welche Verfassung ist denn gemeint? Die Geistige? Was f?r Richtungen beinhaltet denn die geistige Verfassung? Aber mal im ernst – wenn ich die Frage anders herum stelle: Wie wurden denn die vorherigen Gesetze bearbeitet? Mit Sicherheit auch zu 100%, oder? Ähm, wie viele von den Gesetzen sind denn vor dem BVerfG oder beim Bundespräsidenten gescheitert? Wenn das die Sorgfalt war, die bei diesem Gesetz wieder ihren Einfluss findet, dann heißt es wirklich „Gute Nacht“, wenn sich keiner dagegen wehrt. Wehret den Anfängen, hatten unsere Gr?ndungsväter gesagt …

Wenn diesen Leuten wirklich etwas daran liegt, KipO zu bekämpfen, wieso stecken sie dann die Millionen und Aber-Millionen Euro nicht dort hin, wo sie etwas bewirken? Bekämpft die Armut, schafft die geringen Löhne ab (40h/Woche Arbeit als Friseuse und 400 Euro/Monat) , helft den Jugendlichen und den Kindern, wo die Jugendämter hilflos sind, da immer weniger Personal dort sich darum k?mmern kann.

Es werden lieber 50 Millionen Euro f?r das „Safer Internet“ (europaweit) ausgegeben, als vielleicht dar?ber mal nachzudenken, dass die Kinder sich zum Teil verkaufen (oder verkauft werden), weil nichts mehr da ist, womit die Eltern und ihre Familie Geld verdienen oder leben können. Aber die ohnehin im „Bordell“ arbeitenden 12-Jährigen können ja noch einmal „missbraucht“ werden, indem sie als Paradebeispiel daf?r genommen werden, warum das „Safer Internet“ Programm, die Online-Durchsuchung, das BKA-Gesetz und Co. unbedingt durchgeboxt werden m?ssen. 

Während wir hier in Neu-Europanien die Online-Durchsuchung durchboxen lassen, verkauft sich in Afrikanien oder Asiabacho schon die 10-11 Jährige, damit die Familie auch morgen etwas zu beißen hat. Und die Produzenten und Konsumenten werden sich andere Wege suchen – mit Sicherheit. 

Nicht dass mich jemand falsch versteht. Ich verabscheue KiPo. Und bitte an dieser Stelle nicht die Argumentation beginnen „Und wenn es deine Tochter ist?“ Der ?beltäter jeglicher Art soll mit rechtsstaatlichen Mitteln gefasst und verurteilt werden. Das aber nicht um jeden Preis, denn dann bin ich keinen Deut besser, als die „Weissager“ da oben.

Man kann nicht immer um das Kind herum sein und es besch?tzen, genauso wenig, wie man sich nicht zu 100% vor einem Autounfall sch?tzen kann oder man mit dem Flugzeug abst?rzen könnte, ein Ast vom Baum fällt und einen erschlägt usw.. So etwas nennt sich Risiko, welches jeder von uns jeden Tag, jede Stunde und jede Minute eingeht, inklusive aller möglichen Folgen. Wer das nicht will oder kann, der sollte keine Kinder in die Welt setzen und zu Hause sitzen bleiben. Obwohl – statistisch gesehen ist „zu Hause“ der schlimmste Tatort.

Wer sich das Ganze betrachtet, kann eigentlich nur zum Schluss kommen, dass es nicht um den Schutz vor KiPo oder Terrorismus gehen kann. Das wäre auf anderem Wege besser möglich, ohne komplette Zensur und Informationskontrolle durchzusetzen. Aufklärung, Ursachenbekämpfung und Hilfe sind die Devise gegen das Ganze.

Wer 100% Schutz erwartet, der wird spätestens dann einsehen, dass nichts mehr funktionieren wird, denn das sichere System ist mit seiner Eigensicherung beschäftigt und bringt somit keinerlei Nutzen mehr.

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