Blockade von KiPo

Ich hatte gestern schon etwas in meinem Tellerrand dazu geschrieben und möchte dazu heute einige Fakten und Gedanken präsentieren, damit der Eine oder Andere, der noch nicht seine Zahnräder in Gang gebracht hat, dieses jetzt vielleicht mal tut. Zumindest ölen der Mechanik wäre angebracht.

Nun hat sich auch Hr. Schäuble in die Diskussion mit eingemischt und im verlinkten Artikel wird einmal mehr beschrieben, wie toll diese Blockade/Zensur funktioniert und wie vielen Kindern man damit helfen könne. Ich möchte versuchen dieses Blabla etwas zu lichten, denn es ist bei Weitem nicht so toll, wie es von unseren Politikern propagiert wird. Und vor allem, mit welchen reißerischen und in meinen Augen niederen Mitteln Überzeugungsarbeit geleistet wird:

Während eines Gesprächs hatte sie gestern demonstriert, worum es geht: Brutale Vergewaltigungen von Kindern vor laufenden Kameras, per Internet-Mausklick zu „Extrem-Orgien“ Minderjähriger, ganz kleine Mädchen, die sich nackt und in aufreizenden Posen als „Lolitas“ auf einer blinkenden Bilderseite anbieten. Die Beispiele, die von der Leyen und skandinavische Kriminalisten am Donnerstag in Berlin präsentierten, schockten die Betrachter.

Aus verschiedenen Berichten, die in den letzten Tagen zu diesem Thema veröffentlicht wurden, ging hervor, dass offenbar etliche der angeprangerten und mit KiPo vollgepflasterten Webseiten kommerzieller Natur seien. Es wird betont, dass doch die skandinavischen, dänischen, brittischen usw. Filter derart effektiv wären und dieses Modell möchte man auch in Deutschland umsetzen.

Nun sollte man meinen, dass auf der zB. dänischen, finnischen oder schweizerischen Sperrliste eine Menge an KiPo-Seiten sich befinden w?rden. Falsch gedacht. Ich empfehle dazu diesen interessanten Beitrag, der zusammen mit den Informationen von Wikileaks und anderen Leuten versucht hat herauszufinden, welche Seiten auf der Sperrliste wirklich Kipo-behaftet sind. Ich empfehle wirklich, diese Seite sich durchzulesen. Besonders ist die Tabelle am Ende des Artikels interessant, wonach nur 4% aller gesperrten Seiten letztendlich KiPo enthalten w?rden. Der Rest (96%) waren Seiten, die vornehmlich nicht widerrechtlicher Natur sind – also völlig legal. Rund ein Viertel aller gesperrten Seiten betraf Schwulenpornos. Dies wirft nun in meinen Augen mehrere Fragen auf.

Wenn diese Listen so erfolgreich sind, wieso sind dann derartig viele Negativeinträge darin enthalten und besonders warum? Wenn sich die M?he gemacht wurde, diese Listen anzufertigen, wieso wird dagegen nicht verfahrensmäßig ermittelt?

Es ist leicht einen Server ins Internet zu stellen und irgendwelches dubioses Material anzubieten, aber es ist viel schwerer ein Konto einzurichten, um die Gelder aus den Verkäufen irgendwann in die eigene Tasche zu bekommen. Wieso brauchen wir dann neue Regularien und Gesetze, wenn man Gelder, die auf Verbrechen beruhen, mittels der gegenwärtig g?ltigen Gesetze beschlagnahmen und ein Verfahren gegen die Anbieter in Gang setzen kann?

Offenbar geht es anscheinend nicht darum, den kriminellen Sumpf auszutrocknen – vielleicht hat die Politik auch Angst davor, Eingriffe in Finanzströme vorzunehmen. Das zeigte sich ja schon bei der Finanzkrise, wo viele Politiker in den Aufsichtsräten der Banken das Ganze mit abgenickt haben. Es geht darum öffentlichkeitswirksam Aktionismus zu demonstrieren und ebenso (oder viel schlimmer) ein neues Instrument zu schaffen. Wieso man zu diesem Schluss kommen muss? Da man KiPo auch mit bisherigen Mitteln und Möglichkeiten bekämpfen kann und Zensur/Blockade in keinster Weise den Opfern bzw. möglichen Opfern helfen. Der Staat /die Staaten brauchen Instrumente, mit deren Hilfe das Medium Internet kontrolliert werden kann. Wieso?

Das Internet vergisst nicht. Es ist langlebig und voller Informationen. Es ist ein Medium, das von seiner Struktur her eher dezentral, liberal, offen und f?r Jeden als Plattform dienen kann. Da können B?rger ihre Meinung sagen, ohne dass es wirksam boykottiert oder kontrolliert werden kann. Da tauchen missliebige Informationen auf, die so mancher schon zig Jahre geheim halten konnte. Das alles lässt sich mit den klassischen Methoden der staatlichen Reglementierungen und Kontrollen nicht mehr beherrschen.

Als erste Konsequenz wurden auch private Webseiten, Blogs, Foren und andere unter das Telemediengesetz unterstellt. Ich sage nur Impressumspflicht und die darauf folgende Abmahnwelle. Und das war nur der Vorläufer. Es wird versucht dieses Medium in etwas umzuwandeln, dass nur noch aus wenigen großen Anbietern (mit entsprechenden Mitteln) und einer breiten, nur noch konsumierenden Masse besteht, welche reglementierte Inhalte „genießt“. Ähnlich , wie beim Fernsehen! Es kann ja nicht angehen, dass man mitunter im Internet Informationen erhält, die die Großen beim L?gen entlarven – siehe Israel und Gaza derzeitig oder der Nutzen der Biometrie in PAs.

Ich bezweifle, dass bez?glich KiPo ein derart großer Markt, wie er immer uns propagiert wird, existiert und dass dieser Markt ?ber WWW-Seiten abgewickelt wird. Zusätzlich ist der Begriff KiPo unzureichend definiert. Es fliegt alles mögliche durcheinander, wie JuPo, Lolita-Geschichten, Zeichnungen, Erzählungen. Beispiele gefällig, was als KiPo galt?

  1. In Australien gab es ein Verfahren wegen Bildern mit den Simpsons-Kindern, die miteinander kopulierten.
  2. In Großbritannien wurde das Cover der Scorpions als kinderpornografisch eingestuft und blockiert.
  3. Der Roman „Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer Wienerischen Dirne. Von ihr selbst erzählt“ wurde in Deutschland mal als KiPo deklariert, mal frei zugänglich.

Das sind alles Darstellungen, die nicht das abbilden, was man gemeinhin unter KiPo versteht: die auf sexuelle Erregung ausgerichtete Abbildung von tatsächlichen Kindesmissbrauch.

Es wird, wie ich schon oft betonte, nur an vermeintlichen Symptomen vermeintlicher Probleme gedocktert, ohne dass ?berhaupt jemand der Kandidaten mal etwas Konkretes dazu äußert oder benennt – besonders, worum es tatsächlich geht. Es wird alles was irgendwie wörtlich passen könnte – es aber per se nicht tut – in einen Topf geworfen und bunt miteinander vermischt, gebr?llt, wie furchtbar das doch alles sei, anschaulich präsentiert (siehe Zitat oben), damit auch jeder, auch das „Wahlvieh“ eifrig nickt und das Ganze bejaht. Wer will sich schon in die moralische Ecke drängen lassen.

Es ist ein schwieriges Thema – ja – und mir wäre es auch lieb, dass KiPo nicht existieren w?rde, aber damit ist keiner Familie, keinem Kind, keinem Opfer geholfen, da es nicht aufhören bzw. eingeschränkt wird. Das Internet besteht nun mal nicht nur aus dem WWW. Das kann ich nicht oft genug sagen. Das Problem muss an der Wurzel bekämpft werden – nicht an den Haarspitzen.

Was wird noch kommen? Kleine Prognose gefällig?

  1. KiPo wird gefiltert. Die User bekommen eine STOP-Seite angezeigt und deren Name und IP wird nicht gespeichert.
  2. KiPo, rechtsextreme und verfassungsfeindliche Inhalte werden gefiltert. Die User bekommen eine STOP-Seite angezeigt. Die IP wird geloggt und im Einzelfall ausgewertet.
  3. Unerw?nschte Inhalte (regierungskritische Blogs) werden gefiltert. IP und Benutzerdaten werden zwecks Strafverfolgung der Polizei gemeldet.
  4. Es ist unbekannt, was geloggt bzw. gesperrt wird, da Informationen hierzu inzwischen auch Verschlusssache sind. Im Internet sind f?r den B?rger nur noch von der Regierung genehmigte Inhalte verf?gbar.

Schwarzseher? Denke schon, wenn sich nichts ändert …

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2 Antworten

  1. 2. Februar 2009

    […] Filterliste, auf die ich auch verwies und zu 96% keinerlei KiPo beinhaltet, wurde einmal komplett analysiert und die dazugehörigen […]

  2. 13. Februar 2009

    […] Heute ist es KiPo, morgen (wie bereits auf den Listen) Schwulen-Seiten, übermorgen Rechts- und Linksradikalismus und in es dauert nicht lange, dann … naja, bin eh ein Schwarzmaler! […]

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