Nachweislich belogen

<Update>: Wieviel den Behörden wirklich an den Kindern liegt, zeigt dieser Fall hier. Und da sollen wir uns auf die Korrektheit der Listen verlassen können – ebenso, dass diese nicht nur ausgeblendet, sondern auch definitiv abgeschaltet und die Betreiber ausfindig gemacht werden? Wers glaubt …..</Update>

Es vergeht kaum ein Tag, wo von den Politikern und anderen „auf den Zug Aufspringern“ nicht gelogen wird. Und das auch noch nachweislich. Heute veröffentlichte der Focus endlich mal Folgendes:

Die Polizei des Vorzeigelands Schweden hat hingegen im FOCUS-Interview Zweifel an der Wirksamkeit von Blockaden geäußert. „Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, bilanzierte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström. Die Zahl der gesperrten Seiten habe sich seit der Einf?hrung des Systems im Jahr 2005 auf 5000 erhöht. Zudem könnten Nutzer die Stopp-Seiten problemlos umgehen.

Endlich mal ein Wort von den Sperrlisten-Einf?hrern, wo schon vorher durch Veröffentlichungen der Listen bekannt geworden war, dass das völliger Unsinn ist. Besonders brisant: „Sperrung der Produktion von Webpornographie“.

Ok – die Sperren helfen also nicht. Wieso will man dann immer noch die Sperren einf?hren, obwohl diese nachweislich nichts bringen? Wieso wird sich darauf berufen und diese als positives und erfolgreiches Beispiel herangezogen? Und ganz vorne weg mischt sich nun auch BKA-Chef Ziercke mit ein und erzählt einem was von abschreckender Wirkung. Frau von der Leyen hatte ja schon Expertenmeinungen als unterirdisch bezeichnet und dennoch sind diese Experten bisher die Einzigen, die Fakten auf den Tisch gepackt haben – die Bef?rworter der Sperren auf jeden Fall bisher nicht. Von denen wird nur auf die emotionale Kerbe gehauen.

Da werden Zahlen aufgetischt, die derart aus den Fingern gezogen werden – denn untermauert oder bewiesen sind diese nicht. Sollte es wirklich so sein, wie das BKA vermeldet, dann wären wir umringt von Pädophilen. Ebenso bleibe ich bei der Meinung: wenn die Seiten bekannt sind, dann muss dagegen vorgegangen werden. Nicht etwas sperren, sondern vom Netz nehmen lassen (was bekanntlich sehr schnell geht) und Ermittlungsverfahren einleiten. Es wird so kommen, wie auch die Listen bestätigen, dass man nur sperrt und dagegen definitiv nicht vorgeht bzw. die Listen nicht erneut validiert. Kollateralschäden sind definitv vorprogrammiert – und tauchten bisher auch auf.

Darunter waren auch bereits die Seite des W3C Konsortiums durch die finnischen Listen, wie auch verschiedene Vereine, Ärzte, Aufklärungsportale usw. Also alles KiPo-Verbreiter …

Ebenso wird auch das Argument der Millionen-schweren Industrie entkräftet:

Auch die Annahme, das lukrative Kinderpornogeschäft mittels Überwachung der Geldströme auszutrocknen, ziehen Experten in Zweifel. Der Professor f?r forensische Psychiatrie an der Universität Regensburg, Michael Osterheider, schätze in FOCUS: „Zwei Drittel der Täter tauschen Bilder kostenlos im Web.“ Anfang März hatten sich zur Aufdeckung von Transaktionen zwischen Produzenten, Vertreibern und Konsumenten von Kinderpornografie große Finanzdienstleister wie Visa oder Mastercard zur „European Financial Coalition“ zusammengeschlossen.

Wem glaube ich also persönlich eher? Den Experten oder den Ermittlungsbehörden, die einfach mitmischen wollen bzw. m?ssen? Der Fall wikileaks Deutschland hat gezeigt, dass nicht einmal die Staatsanwaltschaft wusste, worum es sich bei wikileaks handelte.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft beteuert, nicht einmal gewusst zu haben, was Wikileaks ist.

Und wenn ich das richtig deute, und bei wikileaks wirklich Journalisten, welche offizielle und anerkannte Mitglieder des DPV (Deutscher Presse Verband) sind, diese nicht in Kenntnis gesetzt wurden, dann steht die Hausdurchsuchung mehr als nur auf wackligen Beinen. Das könnte noch ein Knaller werden f?r die Justiz – ich sag nur Pressefreiheit und „Gefahr in Verzug“ – sprich ohne richterliche Anordnung. Von den Mängeln und Fehlern bei der Durchsuchung und des Protokolls will ich gar nicht erst reden …

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1 Antwort

  1. Tommy sagt:

    „Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“

    Ich dachte immer es ginge da um Kinderpornografie.. seit wann ist denn „Webpornografie“ in Schweden verboten und muss unterbunden werden? Zumal der Begriff genauso haarsträubend ist wie „Killerspiele“.

    Aber meinst du im Ernst, dass die gute Frau v.d.L. hier mal zuhört? Sie wird sich weiterhin die Ohren zuhalten, mit dem Fuß aufstampfen und weiter quängeln: Ich will das aber, denkt doch mal an die Kinder, [beliebigen Schwachsinn einfügen]

    Ich frag mich warum der Staat mehrere Milliarden für Banken zum Fenster hinauswirft – oder für Opel… statt der guten Frau v.d.L mal das Büchlein „Internet für Dummies“ zu kaufen. Das wäre mal eine lohnende Investition meiner Steuergelder, die ich sogar absegnen würde. Und vllt noch eine Ausgabe für die Dresdner Staatsanwaltschaft.

    Gefahr im Verzug für eine reine redirect-Seite.. naja.. kommt ja bald der Osterhase.

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