Von Äpfeln und Birnen

Politik und Medien sind ja zum großen Teil schon so glaubhaft, wie Backsteine in der Luft stehen können. Ich weiß nun nicht, ob es an der Meldung vom Spiegel liegt, oder aber der kausale Zusammenhang wirklich von den Politikern gezogen wurde. Fakt ist, dass dort Äpfel mit Birnen verglichen werden und ?berhaupt – wirklich ?berhaupt kein Zusammenhang zwischen dem Amok-Lauf und den Sperrw?nschen von KiPo im Netz der von der Leyen vorhanden sein d?rfte. Er wird aber dort gezogen (bin mal gespannt, wann Spiegel wieder den Artikel umk?rzt – einen Screenshot habe ich aber von der Passage):

Nach Informationen des SPIEGEL hatte der Amokläufer wenige Stunden vor der Tat den Egoshooter „Far Cry 2“ gespielt – das keine Jugendfreigabe hat.

Nach Erkenntnissen der Ermittler habe er am Vorabend des Massakers um 19.30 Uhr das Spiel gestartet und um 21.40 Uhr seinen Computer abgeschaltet. In dem Spiel geht es darum, in einem fiktiven Land einen Waffenhändler auszuschalten. Auch die Killerspiele „Counter-Strike“ und „Tactical Ops“ – auch dies Spiel hat keine Jugendfreigabe – wurden nach Informationen des SPIEGEL auf dem Rechner gefunden, ebenso Pornobilder, Fotos gefesselter, nackter Frauen.

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant deshalb, den Zugang zu kinderpornografischen Internet-Seiten durch Sperrvereinbarungen zwischen Internet-Providern und dem Bundeskriminalamt zu erschweren. 

Erstens vorweg – Counter-Strike ist ab 16. Schön, wie man im Gemenge mit „Tactical Ops“ dies verschleiert. Zweitens: was haben diese angeblichen „Killerspiele“ und Pornobilder von gefesselten Frauen mit KiPo zu tun? Und wieso plant Frau von der Leyen genau deswegen (wegen dem Attentat und der Erkenntnis daraus) diese Sperren? Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, nebst Vortäuschung falscher Tatsachen. Bei KiPo allein gabs ja keine R?ckendeckung, vielleicht klappt es ja jetzt, was? …

Und unsere Frau Merkel setzt noch einen oben drauf. Selbstverständlich ohne den Zusammenhang, der ja eh nicht exististiert, zu kennen und sich nur auf Hr. Schäubles und Fr. von der Leyens Aussage zu verlassen:

Merkel sagte, man d?rfe nicht nur mit der Freiheit des Internets argumentieren. „Ich gehöre, ehrlich gesagt, zu denen, die immer wieder ?berlegen: Kann man nicht doch etwas tun?“ Ganz verhindern werde man solche Amokläufe nie können, sagte Merkel. „Aber wachsam sein ist mit Sicherheit eine Lehre aus dem schrecklichen Ereignis.“

Und noch einmal: was hat der Amok-Lauf mit der Argumentation von Sperren des Internets bez?glich KiPo zu tun?

Kopf -> Tisch -> Knall – diese Schmerzen sind kaum noch auszuhalten.

Update: Der Spiegel schreibt völlig aus dem Zusammenhang gerissen Merkels obige Aussage. Hier ist diese Aussage in Bezug mit der Gewaltdarstellung im „Internet“ aufgef?hrt. Das macht es aber nicht besser, denn von ihr kommt somit zusätzlich die Frage ins Spiel, ob mitunter auch Gewaltdarstellungen im Internet „zensiert“ werden soll.

Außerdem verwies die Kanzlerin auf die Diskussion, den Zugang zu Gewaltdarstellungen weiter zu erschweren. Einfach nur mit der Freiheit des Internets zu argumentieren, werde letztlich nicht weiterhelfen. Ganz verhindern werde man Amokläufe wahrscheinlich aber nie können. 

Womit wir wieder bei der Frage neuer Gesetze wären mit dem Hintergrund: notwendigzielf?hrendverhältnismäßig und normenklar! Es wird nicht verhindert werden können, aber dennoch muss der Zugang erschwert werden.

Eine Wette: wenn es so weit kommen sollte, dann wette ich, dass der Leyen-Filter das mit machen wird. Nat?rlich freiwillig!!!

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