Von Google über Überwachung

Es ist schon erstaunlich, wie „differenziert“ der „gemeine“ B?rger bestimmte Aspekte der möglichen Überwachung, öffentliche Foto- und Videoaufnahmen oder Vollarchivierung der Kommunikation sieht.

Thema ist diesmal Google Street View. Die Leser, die mich etwas kennen, wissen, wie ich zu Google stehe. Deswegen finde ich es auch f?r richtig, dass man sich gegen die Aufnahmen der Street View Flotte wehrt. Schon allein, da die Aufnahmen gegen die Panoramafreiheit, die in §59 UrhG beschrieben ist, mit ziemlicher Sicherheit verstoßen.

Der Aufnahmestandpunkt muss zudem allgemein ohne Hilfsmittel zugänglich sein. Eine Leiter – auch wenn sie nicht dazu dienen sollte, ?ber ein Hindernis hinwegzublicken – ist demnach genauso wenig zulässig wie ein Hubschrauber. Auch die Aufnahme von einem anderen Gebäude aus ist nicht zulässig, selbst wenn eine Genehmigung f?r das Betreten des Aufnahmestandpunktes vorliegt.

Aber Google’s Wunschträume sind nichts im Vergleich dazu, worin wir alle schon mindestens seit 2007 stecken, wenn nicht gar schon länger: Vorratsdatenspeicherung sämtlicher Kommunikationen nebst (wenn möglich) dem Standort, von wo aus kommuniziert wurde, Biometrie in Ausweisdokumenten, sensible zentral gespeicherte Daten, Maubr?cken, RFID in Kundenkarten …

Paradox ist f?r mich, dass man versucht sich gegen Google mit allen erdenklichen Mitteln zu wehren, aber den Staat ungehindert schalten und walten lässt. Insofern kann ich umso mehr meinen Kopf sch?ttelnd gen England richten, wo die alltägliche Übnerwachung jeglicher Art mehr als ausufernd ist, man sich aber extrem vor Google f?rchtet. Irre!

Vor den halbstaatlichen Behörden, die das Ganze auch noch mitmachen, f?r den Staat speichern und irgendwann Hilfssherrifs spielen werden (Urheberrechtskontrolle durch ACTA) und zwangsläufig irgendwann eine Deep Packet Inspection des gesamten Datenverkehrs einf?hren m?ssen/wollen, damit die Content-MafiaAnbieter die pösen Einnahmenräuber dingfest machen können und die auch noch mitunter diese Daten missbrauchen oder weitergeben, habe ich mehr als einmal gewarnt und der Leser wird auch auf meinen Blog f?ndig.

Ja, es ist wichtig sich zu sch?tzen, doch die Prioritäten sollten noch einmal bedacht werden: Lidl, Bahn, Telekom, BND, BKA, Innenministerium, Bundes-Trojaner … nur um einige zu nennen. Es ist f?r mich persönlich zweitrangig, ob meine Wohnung oder Haus, mit meiner Person darauf, abgelichtet wird, wenn ich nicht einmal mehr in meinen  eigenen 4 Wänden „gesch?tzt“ vor Überwachung sein kann.

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2 Antworten

  1. Micha sagt:

    Ja dazu würde ich zu bedenken geben, daß es sich bei Google um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handelt, welches nahezu jeder öffentlichen Kontrolle entzogen ist. Über unsere Bedenken bezüglich Vorratsdatenspeicherung, Rasterfahndung, Verknpfung von Datenbeständen …. lachen die Jungs bei Sergei Michailowitch und Co. doch nur. Ich sehe in diesem Zusammenhang die größere Gafahr bei Google, da dort – keine Überwachung – finanzielle Mittel – Profitstreben zusammentreffen. Und in einem hatte der gute alte Marx unbedingt Recht: … 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, welches Kapital nicht begehen würde, selbst auf die Gefahr des eigenen Untergangs.
    Dies heißt selbstverstäntlich nicht, die Kontrollmanie des Staates als ungefährlich einzuschätzen, aber Brins Jungs sind fitter, haben mehr Mittel und werden von nahzu Niemandem kontrolliert.

  2. FireFox sagt:

    @Micha: Ich gebe dir recht, Micha. Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass diese Angst zu einseitig verläuft. Bei staatlichen Vorhaben ist es mehr oder weniger ok bzw. wird es akzeptiert. Allein die Engländer haben mit eines der umfassensten Sicherheitsnetzwerke aufgebaut. Massive Datenbanken jeglicher Art, Kameraüberwachungen, die der Steuerzahler finanziert hat, wurden dort eingerichtet. Und wir folgen mit langen Schritten den Briten.
    Sich nur allein gegen Google zu stemmen – und wie ich bereits sagte, ist Google für mich als Datenkrake mehr als angsteinflössend – ist zu einseitig. Es ist schön zu sehen, dass überhaupt etwas gemacht wird, aber bitte auch in die andere Richtung, denn ich denke, wir beide sind uns mitunter einig: Wirtschaft und Staat sind meist voneinander nicht trennbar, oder?

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