Unsprache in Zeitschriften

Ich habe mir mal seit Langem wieder eine Zeitschrift gegönnt – eine Spielezeitschrift genannt PC Action in der Ausgabe 9/2009. Vornehmlich griff ich zum „Machwerk“, da es mit einem f?r mich interessanten Spiel als Beigabe gesegnet wurde. Zudem denkt man sich: „Och, vielleicht steht ja auch etwas Interessantes drin. Lesen schadet ja nicht!“.

[singlepic id=1151 w=320 h=240 float=left]Ähm – die Betonung liegt wirklich auf Machwerk, denn was mir da an Texten von „Redakteuren“ und „Schreiberlingen“ auf meine unschuldigen Augen mit geballter ziegelsteinartiger Kraft einwirkte, hat kein anderes Wort verdient. Zugegeben – auch ich bediene mich des einen oder anderen bildhaften und meist sarkastischen Vergleiches, aber ich versuche ein Maß an Distanz und Anstand zu bewahren.

In diesem Blatt aber greifen die Schreiberlinge auf Wortphrasen und Vergleiche zur?ck, die derart unter die G?rtellinie gehen und Bevölkerungsschichten diffamieren. Es wird mit Klischees umher geworfen, sowie ohne Sinn und Respekt Schubladendenken gefördert. Und das alles unter dem Deckmantel der „heiteren“ Berichterstattung, der „tiefgreifenden“ und „objektiven“ Testerei von Computerspielen.

[singlepic id=1152 w=320 h=240 float=right]Besonders brisant ist zudem die weiterhin gesch?rte Kluft zwischen Ost und West innerhalb Deutschlands. Und das nach 20 Jahren der Deutschen Einheit. Muss das denn sein? Sicherlich f?hle ich mich persönlich durch diesen Artikel auf gut Deutsch „angepisst“, trifft es mich doch als Bevölkerungsgruppe aus den 5 östlichen Bundesländern direkt.

„Zu viel Veränderung muss nicht immer gut sein. Das haben nicht nur die Westdeutschen bemerkt, nachdem die Ossis einfielen, Begr?ßungsgeld in Milliardenhöhe abstaubten, die Mauer abrissen und heute faul auf dem Hartz-IV-Bescheid liegen.“

Geht es noch? Herr Brehme? Geschichte und Wirtschaft ist nicht so ihr Ding, oder? Pauschalisierung und Beleidigung wohl eher, oder? Sie scheren gern alle ?ber einen Kamm, nicht wahr? Schon einmal nachgedacht, wieso die ehemaligen DDR-B?rger aus dem System raus wollten? Schon mal dar?ber nachgedacht, wie nach der „Wende“ der Ausverkauf der Betriebe und Firmen mittels obligatorischer 1,- DM durchgef?hrt wurde? Schon einmal dar?ber nachgedacht, wie nach der „Wende“ die Wirtschaft, die Industrie und die Landwirtschaft systematisch kaputt gemacht wurde? Nein? Dachte ich mir … vielleicht denkt man in dem Laden anders, wenn die eine oder andere Beschwerde – gar vielleicht sogar eine Anzeige ins Haus flattert.

Alles in allem ist dieses Blatt in meinen Augen nicht lesenswert. Man versucht auf lustig zu machen, zeigt und testet als USK 16 Blatt USK 18 Spiele (wenn wir schon auf der Welle des Anstands verweilen), heroisiert Spiele mit Gewalt und kurvigen weiblichen Protagonisten und in fast jedem Satz gibt es einen dämlichen Spruch, der noch dämlicher ist, als der Spruch im Satz davor. Da sieht man ein Bild mit nackten Damen auf Fahrrädern und liest dann einen Spruch, wie: „Sorgen f?r Sicherheit im Straßenverkehr: Hupen an Fahrrädern“. Naja – Niveaunote 6,5 auf einer Skala von 1-6.

Vielleicht ein Beispiel daf?r, wieso die Verkaufszahlen so massiv einbrechen … es gibt viele Leser, die Qualität, sachliche Kritik und Journalismus mehr schätzen, als billige und plumpe Schreiberei. Sie zahlen auch daf?r – aber wohl kaum f?r so etwas, was diese Zeitschrift abliefert.

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9 Antworten

  1. besserwessi sagt:

    “Zu viel Veränderung muss nicht immer gut sein. Das haben nicht nur die Westdeutschen bemerkt, nachdem die Ossis einfielen, Begrüßungsgeld in Milliardenhöhe abstaubten, die Mauer abrissen und heute faul auf dem Hartz-IV-Bescheid liegen.”

    Stimmt das etwa nicht ? 😉

    Aber im ernst: ja, es ist wirklich schade um die mauer. Seit deutschland die ddr am hals hat, geht’s bergab. Vor dem fall des eisernen vorhangs wirtschaftliche nummer 1 in der EU, inzwischen ca. auf platz 10 und in gefahr, sogar von den ebenso überflüssigen ostblockländern überholt zu werden.

    • FireFox sagt:

      Ähm .. ich glaube, dass ist kaum die Schuld der „Ossis“, dass es im Ranking so schlecht aussieht. Da würde ich mal lieber in einer anderen Sparte nachsehen, wo es hapert – und da meine ich nicht die Westdeutschen. Wenn man sich etwas wirtschaftlich und politisch umsieht, das Netz historisch gesehen durchgrast, dann wird man bemerken, warum mitunter Deutschland da steht, wo es heute steht. Politik und Wirtschaft, der Staat ist Wirtschaft – wo, wenn nicht zB. im westlichen Teil Deutschlands verlieren derzeit viele Menschen ihren Job im Verhältnis gesehen zu den Ostdeutschen?
      Wer hat die Grenzen in die östlichen benachbarten Länder geöffnet und in die EU beitreten lassen?
      Ich glaube das Thema Ost gegen West und umgedreht sollte mal langsam aus den Köpfen verschwinden. Das bringt „euch“ und „uns“ kein Stück weiter am „wir“ – und ohne das „wir“ bringt es Deutschland auch nicht nach vorn.

  2. Turnschuh sagt:

    Zuallererst danke für den Beitrag – ich hab die PC Action früher gelesen und aufgehört nachdem Inhalte mehr und mehr durch posierende Frauen ersetzt wurden.
    Das es so endet hätte ich aber (naiv, ja) nicht gedacht.
    Besonders ironisch ist für mich allerdings dabei folgendes:
    „Die derzeitige Redaktion besteht neben der Chefredakteurin Petra Fröhlich“
    Das ist dieselbe Person die damals Duke3D (1996) wegen frauenfeindlichen Inhalt zerissen hat – falls die Info von wikipedia aktuell ist freut es mich da doch das sie ihre Macht als Chefredakteurin voll nutzt um ihrem Standpunkten von damals treu zu bleiben.

    • FireFox sagt:

      Welche Macht sie anscheinend hat, das sieht man ja an ihrem Kurswechsel. Diese Zeitschrift ist jedenfalls für mich persönlich gestorben. Da sind so viele Unstimmig- und keine Gemeinsamteiten vorhanden.
      Danke, Turnschuh, für deinen Kommentar 🙂 und das Erwähnen, wer eigentlich das Ganze da mit absegnet. Gut zu wissen, dass selbst Frauen in Führungspositionen sich solchen Frauenfeindlichkeiten ihrer Knechte unterwerfen .. vielleicht reden die ja auch so während der Arbeit untereinander … können sie ja den ganzen Tag von mir aus … aber in aller Öffentlichkeit so etwas verlautbaren?
      Naja .. man lernt halt nicht, ne? 🙂

  3. Damien Crowley sagt:

    Moinsen,
    ja , da merkt man wieder, was mit ein wenig Sarkasmus u/o Ironie so ins Rollen gebracht werden kann…
    Die PC Action ist seit Jahren (zumindest bei mir, für andere wahrscheinlich noch ne ganze Ecke länger) dafür berühmt/berüchtigt, dass sie auf so ziemlich jede politische Korrektheit pfeift und sich über alles und jeden lustig macht…Und wenn man dann noch bedenkt, dass sich in der Redaktion zu bestimmten Zeiten, gleichzeitig, Ossis, Ösis, Polen, Russen, Türken, Dicke, Metaller und sogar Frauen (ja mei, da schau her) tummelten, und die trotz aller lustigen, wie unlustigen „Witze“ die pro Ausgabe mindestens drei, vier Mal (jeweils) auf sie abzielten, trotzdem nicht kündigten…Mensch, könnte es sein, dass sich „hier“ jemand ein winzig kleines bisschen zu ernst nimmt, sich pseudomoralisch angegriffen fühlt und Leute die sich über sich selbst lustig machen mal vorurteilstechnisch…äääh vorverurteilt?…Political correctness at its worst.

    Ach ja, die Sache: „OMFG…Ab 16 Magazin testet ab 18 Spiele“…Ist das wirklich eine ernstgemeinte Aussage? Bitte, bitte nicht…ein Armutszeugnis.

    Na ja gut, man wird es schon irgendwie überleben.

    P.S.: Oh my God, i’m a f***ing Ossi…na und?

    • FireFox sagt:

      Ich glaube, egal was sich dort in der Redaktion tummelt, dass es kaum etwas mit Sarkasmus oder Ironie zu tun hat. Sicherlich Auslegungssache, aber für mich persönlich zu weit gehend – und das durch die ganze Zeitschrift.
      Vorverurteilung? Ich glaube kaum … Meinungsbild – meine eigene Meinung eher. Oder du zeigst mir die Vorverurteilung mal als Zitat auf? Ansonsten erwarte ich ggfs. das Wort Satire oder ähnliches am Anfang einer Zeitschrift.

      Aropos 16/18 .. ich habe damit kein Problem, aber wenn sich die Zeitschriften nicht gegen Gesetzeslagen stellen und Zeitschriften für unter 18 Jährige heraugeben, dann erwarte ich persönlich nach Gesetzeslage keine Bilder, wo anderen Leuten (virtuell versteht sich) in den Kopf geschossen wird. Aber die Verlage haben ja nichts dagegen getan, deswegen müssen sie sich jetzt auch daran halten.

      Und zusammenfassend: wenn du dich als „Ossi“ nicht angegriffen fühlst? Kein Problem – jedem das Seine. Ich für meinen Teil empfinde das nicht mehr als Sarkasmus oder Ironie, sondern schlichtweg als Diffamierung, Vorverurteilung und über einen Kamm scheren. Spätestens wenn anstelle Ossi oder Frauen das Thema Türke oder Farbiger auftaucht ist es immer noch legitim so zu schreiben? Wenn nein, wieso sollte es bei „Ossis“ sein?
      Diffamierung beginnt auch schon bei anderen Personengruppen im gleichen Land, gleicher Nationalität ..

  4. Ein wenig spät, aber was soll es, da muss ich noch einmal reinhebeln.

    Meinungsbild? Na gut, worklaube dir das mal so zusammen, wie du es brauchst, ändert aber nichts daran, dass du aufgrund des Geschriebenen in einer einzelnen Ausgabe, ein verfrühtes Urteil über die Macher der Zeitschrift gefällt hast.

    „Ansonsten erwarte ich ggfs. das Wort Satire oder ähnliches am Anfang einer Zeitschrift.“ Du bist also einer von denen, die Schuld daran sind, dass auf Kaffeebechern draufsteht „Vorsicht heiß“ und auf Erdnussbutter „Kann Erdnüsse enthalten“…

    Wenn da vorne ein fetter blauer Stempel mit einer fetten schwarzen 16 draufpappt, dann ist dies, soweit ich weiß eh nur auf die DVD bezogen, weil Zeitschriften selbst bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner Jugendschutzkennzeichnung bedürfen. Ergo zählt der 16er-Flatschen auch nicht für die Heftinhalte, sondern eben nur für die Spiele und Videobeiträge des beiliegenden Silberlings. Soviel zu deiner „Gesetzeslage“.

    „Aber die Verlage haben ja nichts dagegen getan, deswegen müssen sie sich jetzt auch daran halten.“ Was du mir damit sagen willst, kann/will ich nicht mal erraten.

    „Spätestens wenn anstelle Ossi oder Frauen das Thema Türke oder Farbiger auftaucht ist es immer noch legitim so zu schreiben? Wenn nein, wieso sollte es bei “Ossis” sein?“ Und genau das ist das schöne an Political Incorrectness, die machen da eben keinen Unterschied. Aber ich dachte, das wäre klar nachdem ich angemerkt habe…“dafür berühmt/berüchtigt, dass sie auf so ziemlich jede politische Korrektheit pfeift und sich über ALLES UND JEDEN lustig macht…“
    Lesen können und im Vorteil sein, du kennst das Sprichwort.

  1. 3. August 2009

    […] 1. “Unsprache in Zeitschriften” (keentech.de, Michael Hensel) Michael Hensel hat die Ausgabe 9/2009 der Zeitschrift PC Action gelesen und wurde überrascht über die “Pauschalisierung und Beleidigung”, die er darin fand. Das Heft schreibt über in den Westen einfallende Ossis, die “Begrüßungsgeld in Milliardenhöhe abstaubten, die Mauer abrissen und heute faul auf dem Hartz-IV-Bescheid liegen.” […]

  2. 3. August 2009

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