eID-Akzeptanz im nPA bleibt hinter Erwartungen zurück

Heise berichtete heute, dass bisher 1,1 Millionen neue Personalausweise beantragt worden sind, aber die zur Online-Nutzung benötigte AusweisApp lediglich 29000 B?rger erst heruntergeladen haben. Das entspricht gerade mal einer 3%-Quote ?ber alle Ausweise. Angeblich soll bei jedem zweiten nPA die eID-Funktion aktiviert worden zu sein.

Pannen gab es viele. Die ausgerollten Kartenlesegeräte ohne eigene Tastatur (1 Millionen St?ck) und das bis heute daran Festhalten und nicht Ablehnen dieser unsicheren Geräte, störanfällige Terminals in Meldeämtern, erst k?rzlich die Schwierigkeiten mit Sonderzeichen im Namen und bis heute das schiere ?berwältigende Nicht-Angebot von Anwendungen der eID.

Seien wir mal realistisch:

Der gemeine Anwender versteht doch im Groben nicht, was er damit anfangen soll. Oder sagen wir es anders: Wie er es einrichten soll. Selbst bei der buntesten Werbung (wozu muss eigentlich so ein Aufwand und Geld f?r das Bewerben eines Ausweises betrieben werden?) und Verpackung und euphorisch positiv gestimmten Dokumentation wird eines nicht bedacht – der Anwender.

Auf Grund meiner Erfahrung durch meinen Job kenne ich hunderte von Leuten, die heute noch kapitulieren, wenn sie sich einen Drucker, HBCI-Online-Banking inkl. Software oder ein Mailkonto in einem Mailclient ihrer Wahl einrichten sollen. Das ist nicht abwertend gedacht oder gemeint, sondern hängt von den Spezialisierungen und Interessen der Personen selbst ab. Niemand kann und muss IT-Profi oder Nerd sein. Der eine kann gut mit Prozenten und Taschenrechner arbeiten und wird Steuerberater, der andere kennt sich in Gesetzen total tuffig gut aus und wird Rechtsanwalt. Wiederum andere wissen, wie sie Rohre miteinander verbinden und bieten Sanitärleistungen an. Und eben jene B?rgern sollen auf einmal etwas derart komplexes anwenden? Wie sieht das mit den damit verbundenen Kosten aus, um spezielle Dienste nutzen zu können? War da nicht auch etwas in der Presse – so von wegen unsichere Lesegeräte? Wo am Computer wird es angeschlossen? Treiberinstallation? Anwendungssymbol in der Tray im Auge behalten?

In diesem Kontext sucht man dann Hilfe – meist bei Bekannten, Nachbarn, Freunden oder Verwandten, die entweder ein Tick mehr gefährliches Halbwissen aufweisen oder nur so tun als ob. Ein reger Austausch und Zugriff auf sämtliche sicherheitsrelevante Daten findet statt. Zertifikate, Daten, Pins – alles vor- und r?ckwärts ausgetestet, kopiert, probiert. Letztendlich, fr?her oder später, ist der gemeine Anwender gezwungen daf?r dann noch mehr Geld als bisher auszugeben, indem er sich Hilfe bei Unternehmen sucht.

Muss man so etwas umsetzen? Ohne nennenswerten und erkennbaren praktischen Nutzen und zudem zu hohen Kosten bei geringerer erkennbarer Sicherheit? Mal ehrlich: was sagt an dieser Stelle das Bauchgef?hl? Hmm?

Es ist dennoch schön anzusehen, dass die Erwartungen der Bef?rworter nicht bestätigt wurden und eID sowohl bei den B?rgern als auch bei den Unternehmen keine grundlegende Rolle spielt. F?r mich, wie auch f?r viele andere Skeptiker und Kritiker ist der nPA als Solches eine Investition in Sonderm?ll: Plaste ohne sonderlichen Mehrwert, an der sich wenige involvierte Unternehmen scheinbar f?r Außenstehende gesund stoßen wollen. Über weitere kritische Punkten fange ich jetzt aber nicht an zu schreiben. 😉

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4 Antworten

  1. oller Osel sagt:

    Die Akzeptanz ist wahrlich miserabel. Ich sehe nur einen Vorteil, der neue Personalausweis im Scheckkartenformat passt besser in die Geldbörse. Für den Rest ist die breite Masse noch nicht so weit.

  2. Michael Deutloff sagt:

    Ich stimme dem zu, der nPA hat aber 2 wirkliche Vorteile:
    1. – wie oben das Scheckkartenformat
    2. – er wird sich nicht – wie mein jetziger noch 5 Jahre gültiger aPA – durch Delaminierung selbst auflösen. Aber das war vielleicht ein Vorgriff der Administration auf die Verrgaänglichkeit von Informationen. 🙂

  3. Mario Günterberg sagt:

    Kann dem nur zustimmen. Auch meine Erfahrungen mit PC-Normal-Usern sehen eher so aus, wie in dem Artikel beschrieben. Teilweise sogar noch schlimmer…

    Also, was soll der nPA außer dem Geld, welches involvierte Firmen damit verdienen. Selbst Online-Banking wird noch nicht umgestellt, zumindest habe ich noch von keiner Bank gehört, die es geplant hat. Die modernen TAN-Verfahren (mTAN, chipTAN) arbeiten gut und zuverlässig. Und wenn alles so rosarot Sonnenschein wäre, würden gerade Dienstanbieter, welche ein einheitliches Verfahren implementieren könnten (Online-Banking) darauf zurückgreifen. Tun sie aber nicht…

  4. Reinhard Grugel sagt:

    Von der breiten Masse würde ich nicht reden, die Akzeptanz kommt ja nicht vom Runterladen der App, danach kann man mit dem Ding nicht anfangen als die PIN ändern, Akzeptanz wäre auf Anbieterseite erforderich, weder öffentliche Verwaltungen noch Unternehmen machen Miene, in Absehbarer Zukunft die unsicheren Name/Passwortkombis durch einen Zugangsmöglichkeit mit nPA zu ergänzen.

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